Das erste Mal beim Halbmarathon

Die Beine schwer, die Füße leicht geschwollen, der Gang etwas wackelig, Schmerzen – und große Zufriedenheit. So oder so ähnlich fühlt sich nicht nur Katharina Zink, sondern auch ich. Denn während Katharina ihren ersten Halbmarathon absolviert hat, habe ich sie auf dem Mountainbike begleitet – um ihren Erfolg in Bild und Text festzuhalten. Wer nun glaubt, das wäre nicht so anstrengend wie die Strecke zu laufen, der hat Recht. Aber für eine ausgewogene Berichterstattung genügt es nicht, nur nebenherzufahren.

Während der 2 Stunden und 33 Minuten, die Katharina braucht (eine grandiose Zeit für jemanden, der zum ersten Mal 21,1 Kilometer unter Wettkampfbedingungen läuft), fahre ich nicht nur neben ihr her. Im Wald, wortwörtlich über Stock und Stein, überhole ich sie, stoppe mitten auf der Strecke, stelle meine Kamera ein und warte, bis sie auf mich zuläuft. Dann mache ich ein Foto, springe schnell aus dem Weg, um sie und die anderen Läufer nicht zu stören, muss wieder rauf aufs Fahrrad und Katharina einholen, um sie nicht aus den Augen zu verlieren.

Vor dem Start ist Katharina Zink aufgeregt, genauso wie ich. Ich bin noch nie auf einem Mountainbike gefahren und habe erst ein paar Tage zuvor einen Teil der Strecke kennengelernt. Aber auf einmal ist nicht mehr viel Zeit, um aufgeregt zu sein, denn gleich geht es an den Start. Punkt 10 Uhr ertönt der Schuss und 479 Läufer machen sich mit Zink und mir auf den Weg. Der Saaletalmarathon im Landkreis Bad Kissingen ist eröffnet.

Erster Anstieg ist geschafft

Ganz am Anfang ist es wichtig, ein konstantes Tempo zu laufen, um nicht alle Kräfte zu verbrauchen. Katharina lässt sich ein wenig zurückfallen. Während der ersten Kilometer spricht sie noch normal mit mir. „Die ersten elf Kilometer sind super, das ist mein Lieblingsteil der Strecke“, sagt die 29-Jährige zu mir.

„Gerade geht es mir gut, auf dem Waldboden zu laufen tut gut.“ Sagt es und überholt eine Frau auf dem engen Waldweg. Gefragt nach ihrem Zustand nach elf Kilometern antwortet die Münnerstädterin: „Es geht noch, gerade geht es zum Glück bergab.“ Danach kommt erst das Stück, das ihr im Vorfeld Sorge bereitet hatte. Die lange Gerade. Doch sie zieht eisern durch, bleibt nicht stehen, verfällt nur bei den Versorgungsstationen in Schritttempo, aber im Laufen zu trinken wäre einfach nicht gegangen. Ich frage sie, was bisher das Schlimmste für sie war. „Kommt noch“, antwortet sie. Obwohl das lange Teilstück doch schon halb geschafft ist. Als sie einen Dorfabschnitt erreicht, stehen Menschen am Rand, klatschen und feuern sie an. Das braucht Katharina, es gibt ihr Kraft, weiterzumachen. Und mir auch. Sie hat schon 17 Kilometer in den Beinen.

Überglücklich ins Ziel

Das letzte Stück der 21,1 Kilometer zieht sich, es geht bergauf, dann kommt wieder eine Gerade, die Strecke scheint kein Ende zu nehmen. Katharina kann nicht mehr antworten, wenn ich sie etwas frage. Und für mich ist es eine neue Erfahrung, jemanden zu unterhalten, um ihn abzulenken, ohne die Person wirklich zu kennen. Katharina beißt, die Anstrengung ist ihr ins Gesicht geschrieben. Ich beiße auch, mein Hinterteil tut auf dem Sitz des Mountainbikes schon langsam weh, auch meine Beine sind schwer. Aber natürlich ist das nichts im Vergleich zu dem, was Zink leistet.

Endlich ist das letzte Stück in Sicht, der Stadionsprecher ruft ihren Namen, die Fans feuern sie noch einmal an. Erschöpft kommt Zink ins Ziel. Zwar überglücklich, doch reden kann sie erst einmal nicht. Nach dem Zieleinlauf wird Zink umringt von Freunden, Familie und ihrem kleinen „offiziellen“ Fanclub. Ein Glas Sekt wird ihr in die Hand gedrückt, so wie sie es sich gewünscht hatte. Die Münnerstädterin sieht aus, als ob sie noch gar nicht fassen kann, was sie in den letzten zweieinhalb Stunden geleistet hat.

Wie fühlt sich jemand, der gerade den ersten Halbmarathon seines Lebens gelaufen ist? Katharina Zink kann es nicht beschreiben, sie strahlt nur. „Es war gut, aber die letzten zwei Kilometer waren hart“, erklärt sie nach einer Verschnaufpause. Auch für mich.

Würde ich es wieder tun? Sicher. Aber vielleicht mit ein wenig mehr Training im Vorfeld.

Von |6. Mai 2019|Kategorien: Ausgebildet|Tags: , , , , , |