– Geschichten aus dem Redaktionsalltag –

Es war einmal ein kleiner Funke. Er war so klein, dass er erst richtig wachsen musste. Er musste gefüttert werden, brauchte reichlich Nahrung – und das von mehreren Millionen Ernährern. Langsam wuchs der Funke. Er wurde größer, stärker und war irgendwann eine Idee. Viele Menschen wollten sie, lebten sie, brauchten sie. Freiheit war ihr Name – doch nicht irgendeine: die Pressefreiheit.

Die Freiheit, die unabhängige Menschen dazu berechtigt, frei, ohne Furcht, unabhängig und ohne Zensur recherchieren und schreiben zu können und das anderen Menschen mitzuteilen. Doch sie hatte es nicht einfach. Gleich mehrere Menschen versuchten sie einzuschränken oder gar zu verbieten. In den dunkelsten Stunden der Menschheit verschwand die Freiheit sogar. Sie wurde vorgegaukelt, bestimmt und unterdrückt. Doch sie kam wieder.

Wie der Phönix aus der Asche stieg sie empor und war stärker denn je – denkt man zumindest. Das denkt man solange, bis man selbst Journalist wird. Denn dort erfährt man tagtäglich die Zensur des kleinen Mannes – und gendergerecht: der kleinen Frau. „Schicken sie mir aber erst den Artikel zu, bevor er veröffentlicht wird.“ Diesen Satz hört man öfter, als einem lieb ist. Ich weiß nicht, ob den meisten Menschen klar ist, dass sie damit gegen das Grundrecht der Pressefreiheit verstoßen? Denn das ist nur eines: Zensur.

Über Erdogan schimpfen und quasi im Nebensatz einfordern, den Artikel vor Veröffentlichung zugeschickt zu bekommen – sonst ziehe ich meine Aussagen zurück. Wieso?

Angst, sich nicht richtig ausgedrückt zu haben? Hat schon irgendjemand jemals in einem Artikel Äh, öhm, hm und dergleichen gelesen? Nein? Richtig, denn wir achten darauf, verständlich und klar zu sein. Deshalb fragen wir auch öfter mehrmals nach – nicht, weil wir inkompetent sind, und nicht zuhören.

Angst, etwas Falsches gesagt zu haben? Wie gesagt: Wir fragen nach! Bei Unklarheiten, heiklen Themen und missverständlichen Aussagen fragen wir erneut nach!

Angst, dass Journalisten nicht journalistisch arbeiten und irgendwas erfinden? Dann würden wir uns wohl kaum die Mühe machen, nachzufragen – lieber gleich erfinden, das ginge schneller.

Trotz all dieser Schwierigkeiten, mit denen wir uns herumschlagen, recherchieren wir jeden einzelnen Tag, kämpfen für die Pressefreiheit und müssen uns gegen Angriffe verteidigen. Und wenn sie nicht gestorben ist, so schreiben wir noch heute…