– Geschichten aus dem Redaktionsalltag –

Angesichts des allgemeinen Misstrauens, das Journalisten in der heutigen Zeit entgegengebracht wird, ist es doch erstaunlich, welches Vertrauen unsere Leser in ihre Lokalredakteure setzen. Wir helfen doch gerne, sag ich da. Denn immer wieder kommen Leser – oder einfach Bürger auf der Suche nach einer Antwort – in die Redaktionen. Die Fragen und Anliegen gehen nicht selten über die Fragen zu aktueller Berichterstattung oder Bitten um ein Belegexemplar der letzten Samstagsausgabe hinaus.

Scheinbar sind wir auch Ansprechpartner in Renovierungsfragen. Anders lässt sich nicht erklären, das vor einigen Monaten eine Bewerbung für die Heimwerker-Serie „Zuhause im Glück“ bei uns auf den Schreibtisch beziehungsweise vor dem Schreibtisch in Form eines wissbegierigen Bewerbers gelandet ist. Da konnten wir leider nur an unsere „Kollegen“ des Privatsenders in Köln verweisen, die da der bessere Ansprechpartner sind.

Medien sind nicht gleich Medien

Medien sind eben nicht gleich Medien – und Zeitung nicht gleich Zeitung. Auch ein Exemplar des liebsten Boulevardblatts der Deutschen mit den vier Buchstaben wollen immer mal wieder Menschen bei uns in der Redaktion erwerben. Tut uns schrecklich leid, die Schlagzeilen sind uns gerade ausgegangen.

Auch die Briefwaage war gerade nicht zur Hand, als ein Herr vor einigen Monaten bei uns in der Redaktion stand. Mit einem Großbrief in der Hand stand er mit großen Augen vor mir. Ob ich den wisse, wie er seine Postsendung frankieren müsse. Kein Problem – wofür ist der Volontär denn da – fachkundig den Umschlag per Hand abgewogen, mein Tipp: 1,45 Euro sollten reichen. Mit der passenden Briefmarke konnten wir leider nicht dienen, aber mit der Wegbeschreibung zur nächsten Postfiliale.

Die Frage nach der Spülung

Mit einer Wegbeschreibung – an einen Ort, möglichst weit weg von meinem Schreibich – wollte ich auch einen jüngeren Herren abspeisen. Der stand kürzlich in der Redaktion und stellte die Frage, die bis heue die größte Fassungslosigkeit bei mir ausgelöst hat: „Darf ich mal Ihre Toilettenspülung betätigen?“ Richtig,  er fragte nach der Spülung – und nicht, ob er mal eben das WC benutzen dürfe. Totenstille, verunsicherte Blicke und warten – auf eine Erklärung. Die allerdings nicht ohne explizites Nachfragen kam. Rohrarbeiten am Nachbargebäude – und die Prüfung, inwieweit unser Büro mit den Anschlüssen zusammenhängt. Alles klar. Darf‘s vielleicht noch eine Bildzeitung sein? Oder wollen Sie Ihre Postsendung bei uns aufgeben? Bewerbungen für den seltsamsten Redaktionsmoment der letzten Monate nehmen wir auch gerne schriftlich entgegen.