An der Journalistenschule

– Eine Volo allein in München –

Naja, so alleine dann doch nicht: Gemeinsam mit 15 anderen Tageszeitungs-Volontären aus ganz Deutschland habe ich im September zwei Wochen im schönen München am IFP verbracht.

IFP steht  für das sehr umständlich betitelte Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchs und ist eine katholische Journalistenschule (keine Angst, mit den Inhalten hat das „Katholisch“ im Namen am Ende nichts zu tun). Denn auch wenn rund 90 Prozent unserer Ausbildung „learning on the job sind“ und wir nicht nur einmal ins kalte Wasser bei der Berichterstattung geschmissen werden, gibt es beim Volontariat auch einen theoretischen Teil – wie andere Azubis in die Berufsschule müssen, geht es für uns an die Journalistenschulen und Medienakademien.

Schreiben will gerlent sein

Ich habe bereits meine beiden Grundkurse am IFP absolviert. Reportage, Glosse, Nachricht, Recherche, Fotografie, Medienethik – bei den Grundkursen sollen die Volos ihr Handwerk richtig lernen. Journalisten aus ganz Deutschland geben als Dozenten ihre Erfahrungen weiter und wollen aus uns Volos  bessere Nachwuchsjournalisten machen. Sicher, das ist nie langweilig, meistens spannend, aber in jedem Fall ziemlich anstrengend. Man fühlt sich wieder in seine Schul- oder Studienzeit zurückversetzt – aber Gottseidank gibt es neben Theorie-Einheiten in jedem Kurs auch viele praktische Übungen.

Der dritte und vorerst letzte Kurs, der Aufbaukurs, ist quasi eine zweiwöchige praktische Übung. Sein Handwerkszeug sollte ja jeder mittlerweile beherrschen – hier geht es um konkrete Themengebiete, um Ressorts und darum, wie man auch ohne Experte zu  sein, einen Zugang zu diesen Themen findet und ein spannende Geschichte für seine Leser herausziehen kann.

Spannend fällt einem vielleicht nicht unbedingt beim Thema kommunaler Haushalt und Bauleitplanung ein. Doch wir lernen: mit dem richtigen Riecher kann man sogar aus einem hunderte Seiten langem Haushaltsentwurf noch spannende Themen herausfiltern.

In der ersten Wochen durften wir außerdem noch mit einem Recherche-Spezialist Wikipedia auseinander nehmen und lernen, wie man – wenn man schon googelt – besser googelt und Dinge im Internet findet, die auf den ersten Blick nicht auffindbar sind.

Bei der Einheit Gerichtsberichterstattung ging es – welch Überraschung – ans Gericht in München. Wir durften über eine Verhandlung schreiben und konnten Tipps vom Experten mitnehmen. Das Wichtigste: sich nie davor scheuen, die Juristen mit Fragen zu löchern. Wenn wir unseren Lesern verständlich erklären sollen, was da vor Gericht passiert, sollten wir es selbst natürlich durchschauen.

Mein Feind, die Wirtschaft

Meine wichtigste Erkenntnis zu Beginn der zweiten Wochen: Wirtschaftsberichterstattung ist nicht unbedingt meins. Nach einem Besuch bei einem großen Münchner Turbinenteilehersteller durften wir über das Unternehmen schreiben. Der Versuch, aus dem, was uns die beiden Pressesprecher Großartiges über das Unternehmen erzählt haben, einen Artikel zu machen, der nicht nach Werbung klingt, war nicht bei allen von Erfolg gekrönt. In jedem Fall gab es ordentlich Input und viele Themenideen vom Dozenten.

Aus Volos werden Kritiker

Die letzten Tage haben wir uns nach einem kurzen Intermezzo mit dem Thema Kirche und Religion voll in die Kultur gestürzt. Beim Münchner Theatersommer der Glyptothek waren wir als Kritiker vor Ort. Von hochjubelnden Kritiken bis zu polemischen Verrissen über das Stück „Don Quichotte“ waren die Meinungen sehr unterschiedlich und es war spannend zu lesen, was die anderen über die Darbietung geschrieben haben. Mehr Kultur gab es am nächsten Tag in einer Kunstausstellung zum Thema „Die Lust der Täuschung“. Optische Spielereien aus mehreren Jahrhunderten – von Ölmalerei bis Virtual Reality –  wurden unter die Lupe genommen, um im Anschluss zu lesen, was die Presse bisher über die Ausstellung zu berichten hatte.

Soweit die Kurzfassung der zwei Wochen Aufbaukurs am IFP in München. Nicht zu vergessen die vielen schönen Abende im Innenhof (seht Ihr auf dem Foto) oder  im Kapuzino – der hauseigenen Kellerbar der Journalistenschule –  inklusive hitziger, politischer Debatten, persönlichem Erfahrungsaustausch zwischen den Volos und dem einen oder anderen Feierabendbier auf die anstrengenden Seminartage.

Foto: IFP München 

Von |11. Oktober 2018|Kategorien: Ausgebildet|Tags: , , , , |