Abenteuer Auslandssemester: Drei Monate beim „Hitradio Namibia“

– Von Heubach nach Windhoek: Wie Studentin Johanna Radiomoderatorin in Namibia wurde –

Die Schüsse rissen Johanna mitten in der Nacht aus dem Schlaf. An Feuerwerksraketen dachte sie zuerst. Kracher, die bei einer Hochzeit gezündet wurden. Am nächsten Tag klärte sie eine Arbeitskollegin auf: In der Nachbarschaft habe es eine Schießerei gegeben. Also nichts Besonderes.

Drei Monate hat die 23-jährige Johanna Heim aus Heubach als Praktikantin beim deutschsprachigen Sender „Hitradio Namibia“ in Windhoek gearbeitet. Wohnen hinter hohen Mauern und ein unsicheres Gefühl beim Gang über die Straße, das prägte den Alltag der Studentin. Aber auch eine unglaubliche Gelassenheit ihrer Mitmenschen, die die meisten Deutschen wohl nicht einmal im Urlaub finden.

In namibischen Supermarktregalen stehen „Gut & Günstig“-Produkte. Das war eine der ersten Überraschungen für die Heubacherin. „Namibia ist sehr westlich beeinflusst“, erzählt Johanna, während sie zurück in Deutschland am heimischen Küchentisch vor einer großen Tasse Kaffee mit Mandelmilch sitzt. „Es ist ein anderer Kontinent, die Leute dort sind ganz anders drauf – aber mit Deutsch kommt man gut zurecht.“ Einer der Gründe, warum sie sich für das Praxissemester im Süden Afrikas entschieden habe.

Bier und Tabletten intus  – und ab nach Namibia

Ganz ohne Erwartungen sei sie Anfang Oktober nach Windhoek aufgebrochen. Nur dass ihr der Flug schreckliche Angst bereiten würde, das wusste sie ganz sicher. „Aber wenn du was erleben willst, musst du eben in den Flieger steigen“, ist Johanna Heim klar. Um den zehneinhalb Stunden langen Flug überstehen zu können, hat die Studentin einen fragwürdig klingenden Trick angewendet. „Mir wurde immer empfohlen, vorher ein Bier zu trinken.“ Bier, Beruhigungstablette und mitfühlende Sitznachbarn: Diese Kombination brachte sie stressfrei nach Namibia. In Deutschland hat die 23-Jährige bereits mehrere Praktika beim Radio hinter sich. Doch die Arbeit beim namibischen Sender lief anders als gewohnt. „In Deutschland durfte ich die Beiträge nur schreiben und schneiden, aber nicht moderieren“, erzählt sie. „In Namibia hörten die Leute drei Monate lang meine Stimme.“

Mit Maximilian Huber, einem Studenten aus Passau, moderierte sie täglich eine Nachmittagssendung zwischen 16 und 18 Uhr. Verhaspelte sie sich dabei, war das nicht weiter schlimm. „Es wurden Sachen gesendet, die würden in Deutschland nie laufen“, erzählt die 23-Jährige. Eine Arbeitsweise, die ihr zunächst schwer fiel. „Aber dort sind die Prioritäten eben anders. Für die Hörer ist wichtig, dass sie überhaupt Radio empfangen können. Da habe ich gemerkt: Es funktioniert auch mit weniger Stress.“

Wie in Gated Community: Praxissemester in Windhoek

Mit Maximilian Huber teilte sie sich während der drei Monate eine Wohnung. Wie eine „Gated Community“ sei ihr das Viertel vorgekommen. „Einmal habe ich in unserer Küche keinen Dosenöffner finden können, da wollte ich schnell zu den Nachbarn rüber“, erinnert sie sich. Doch als sie vor hohen Mauern ohne Klingel stand, kehrte sie wieder um. „Da habe ich eben was anderes gegessen.“ Nachts nicht alleine in der Stadt herumlaufen, nicht ohne Begleitung joggen und sich nicht mit vollen Einkaufstüten auf offener Straße zeigen – das wurde Johanna gleich zu Beginn eingetrichtert. „Ich hab mich viel bedachter verhalten, aber für die Leute vor Ort ist es Normalität.“

Und dennoch: Die Namibier hätten eine Ruhe an sich, die sie zunächst verrückt gemacht und dann angesteckt habe. „Die Leute lassen sich mehr Zeit“, erklärt sie. „Ich bin eigentlich sauungeduldig, aber Namibia hat mich gelassener gemacht.“ Gelassener und empfindlicher für westlichen Überfluss und überlaufene Städte. „Namibia ist leer. Du siehst auf dem Land mal ein Zebra oder eine Giraffe. Aber ansonsten kannst du fahren und fahren – und bist allein.“

Schrecklich traurig: Besuch im namibischen Slum

Viel Zeit für Ausflüge sei ihr neben der Arbeit nicht geblieben. Mit ihrem deutschen Kollegen besuchte sie aber den Slum Katatura, was übersetzt bedeutet: „Der Ort, an dem wir nicht leben wollen.“ Blechhütte neben Blechhütte, kein fließendes Wasser, keine Duschen, dafür rivalisierende Stämme und Berge von Tierknochen, die sich hinter den Häusern auftürmen. „Da bin ich aufgefallen wie ein weißer Hund“, erzählt die Studentin. Den Kindern habe sie Süßigkeiten mitgebracht. An jeden ihrer Finger klammerte sich von da an eines der Kleinen, in der Hoffnung, Johanna könnte sie in ein schöneres Zuhause bringen. „Das hat mich so schrecklich traurig gemacht.“

Das Heimweh kam gleich nach der Ankunft in Windhoek. Die ersten vier Wochen seien ihr schwer gefallen, gibt sie zu. Aber in den Herbstferien standen auf einmal Mama, Schwester und Freund vor ihr. Überraschung geglückt. „Jeder hat von dem Besuch gewusst, nur ich nicht.“ Wie sich Johanna durch die Zeit im Ausland verändert habe? „Die gibt jetzt mehr an“, sagt Mutter Monika und erntet dafür einen ungläubigen Blick ihrer Tochter. „Sie ist selbstbewusster“, schiebt Monika Heim schnell nach. „Aber ansonsten noch genauso lieb wie vorher.“

KURZGEFASST

Auslandssemester in Namibia

Wer? Johanna Heim (23) studiert Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach. Zwei Semester hat sie noch vor sich.

Was? Drei Monate lang war Johanna für ein Auslandssemester als Moderatorin beim „Hitradio Namibia“ in Windhoek.

Von |3. März 2019|Kategorien: Ausgeplaudert|Tags: , , , , |