– oder: eine einfache Vorstellung des WildWuchs-Theaters –

In der Theaterlandschaft Bambergs hat sich das WildWuchs-Theater schon lange etabliert. Und das, obwohl es nicht immer nur leicht bekömmliche Theaterkost serviert. Es ist absurd, lustig, provokant, manchmal kindisch und meistens ziemlich gut. Vor allem, weil so ein Theater in Bamberg sehr selten gemacht wird. Aktuell geben sie ihre eigenwillige Variante des Molière-Klassikers „Der Geizige“ in den Haas-Sälen. Ich (Niklas) hatte die Möglichkeit, eine der Proben zu beobachten und Regisseur Frederic Heisig hinterher ein paar geizige Entweder-Oder-Fragen zu stellen.

Der Geizige

In dem 1668 uraufgeführten Stück „Der Geizige“ von Molière geht es um nichts anderes als um Geld und Liebe. Es ist ein klassischer Komödienstoff: Elise steht auf Valère, ihr Bruder Cléante auf Mariane und der Vater Harpagon findet Geiz geil – und die Liebhaberin seines Sohnes, die er heiraten will. Seine Tochter will er mit dem Vater ihres Geliebten verheiraten, weil da keine Mitgift anfällt. Sein Geld hat er vergraben. Jeder weiß wo. Das weiß Harpagon aber nicht und vermutet dennoch überall einen Dieb.

Der Stoff dient dem WildWuchs-Theater bloß als Grundierung für ihre Art des Theaters: eine gnadenlos zusammengepanschte, absurde Pointenparade mit Tiefgang. Dass die WildWuchs-Mitglieder ein solches Theater machen können, liegt vermutlich an der Liebe, die sie dem Theater selbst entgegen bringen, die mit großer Spielfreude auf die Bühne bringen.

Für die Inszenierung werden nicht nur gnadenlos Sätze und Passagen gestrichen, um sie mit Allerlei Anspielungen, Witzen und Kommentaren zu ergänzen, umzuformulieren oder anders in die Gegenwart zu setzen. Auch das Ende bleibt nicht heil. Es wird einfach auf den Mond geschossen, damit der Spieltrieb der Truppe Platz für ihren Quatsch hat. Dekonstruktion als schnöde Witze, gute Pointen, Kalauer, Schenkelklopfer, sitzender Slapstick. Dazwischen schimmern Kommentare auf Konsumverhalten, Kapitalismus und Kulturförderung durch.

Solch ein Stück ist aber nur mit einer größtmöglichen Offenheit bis zum Schluss möglich. Vieles entsteht, so berichten es die Schauspieler, während der Proben. Alles ist ein Prozess. Eine Idee kommt zur anderen. Vielleicht kann man sich das wie eine lange wilde Assoziationskette vorstellen, die vom Regisseur durch die Auswahl des Stückes in Gang gesetzt wurde. Es wird viel diskutiert, aber die letzte Entscheidung liegt immer beim Regisseur. Das verhindert die Starrheit, mit der viele Klassikerneuauflagen zu kämpfen haben und eröffnet neue Perspektiven, die sich nicht um Originaltreue, sondern um Originalität kümmern. Wie erklärt aber der Regisseur und Kopf des WildWuchs-Theaters seine Idee von Theater?

Entweder-Oder

Geld oder Liebe?

Frederic Heisig: Geld ist die einfachere, Liebe die schwierige Wahl. Manchmal hängt beides auch zusammen. Aber wenn es ums Geld gehen würde, würden wir das Theater lassen, also Liebe.

Postdramatisch oder postmodern?

Postdramatische Aufführungen können so unglaublich intensiv sein, aber für Bamberg wäre das eine Nummer zu groß.

Witz oder Humor?

Schräger Humor, da wo ich lache, gehen nicht immer alle mit.

Politik oder Pathos?

Nehmen sich beide sehr wichtig, gehen aber im Theater für mich beide nicht ohne Ironie. Der Grat zur Selbstgerechtigkeit, dem moralischen Zeigefinger und dem Wir-verändern-hier-die-Welt-Gefühl ist sehr schmal. Im direkten Vergleich würde ich Politik auswählen, weil die alles umfasst, was für Veränderung sorgt und das Zusammenleben mit Menschen und zunehmend auch mit der Natur regelt. In dieser Hinsicht ist Theater auch immer politisch.

Ironie oder Sarkasmus?

Ganz klar Ironie, mit einer kleinen Priese Sarkasmus.

Kopierer oder Shredder?

Man bräuchte eine Maschine die das Kopierte gleich wieder shreddert und das Geshredderte gleich wieder kopiert. (Gibt es so etwas schon, sonst würde ich gerne ein Patent anmelden.) Das beschreibt ganz gut unseren Arbeitsprozess bei „Der Geizige“.

Form oder Inhalt?

Auch wenn sich beide gegenseitig bedingen, auch wenn es regelmäßig zu Grundsatzdiskussionen führt, bei uns liegt der Schwerpunkt auf der Form.

Theater oder Kabarett?

Was sollen wir vom WildWuchs-Kabarett schon dazu sagen?

Goldenes Kalb oder vergoldetes Steak?

Ein goldenes Steak ist nur dekadente Show, ohne geschmackliche Vorteile. Also die spannendere Frage wäre: Goldenes Kalb oder ein gutes Steak. Insgesamt sollten wir weniger Fleisch essen!

Regie: Frederic Heisig

Schauspieler: Johannes Haußner, Kristina Kroll, Daniel Reichelt

Bühnenbild: Johannes Haußner, Kostüm: Lena Lorang

Weitere Aufführungen: Freitag 15.2., Freitag 1.3. und Samstag 2.3.

Haas-Säle Bamberg, Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20 Uhr