Fränkisch für Anfänger

Du bist neu in Franken? Du verstehst nur Bahnhof in Franken? Fei, gell und gscheid sind Fremdwörter für dich? Bei dem Begriff Schäuferla denkst du an ein Kehrblech und bei A U an einen Kuckuck? Dann hast du hier deinen Duden: Fränkisch für Anfänger.

T und P in Franken gibt es nicht

Wenn ihr etwas vom fränkischen Dialekt wissen müsst, dann das: Franken halten nichts von den Buchstaben T und P. Bestes Beispiel: „Babbd des Babbala a afam Babbkardon?“ Die einfache Übersetzung: Klebt dieser Aufkleber auch auf einem Pappkarton?

Was bei dem Beispiel auch heraussticht: die Kürze. Bei Franken liegt – wie man so schön sagt – die Würze in der Kürze. Wenn euer Gegenüber nur mit einzelnen Buchstaben um sich schmeißt, hat er keinen Anfall, sondern artikuliert sich. Auch wird beispielsweise konsequent mit a abgekürzt. Die Krux dabei: Der Artikel „ein“ wir ebenfalls mit a abgekürzt.

Was heißt eigentlich fei ?

Ja, was bedeutet eigentlich fei? Nicht nur Sprachwissenschaftler haben sich mit dieser Frage beschäftigt und eine richtige Übersetzung gibt es heute nicht wirklich. Die Benutzung von fei ist sehr verwirrend, denn eigentlich hat es keinerlei Bedeutung. Es dient als verstärkter Einschub, kann fast überall benutzt werden. „Des konnsd fei ned macha“ bedeutet beispielsweise „Das kannst du aber echt nicht machen“. Fei bestärkt das Gesagte und gibt dem ganzen Nachdruck.

Einfacher ist der Einsatz von „gell“. Übersetzt steht es für ist es eine kurze Nachfrage, um sich bestätigt zu fühlen. Zum Beispiel: „Des woar schee, gell?“ bedeutet „Das war schön, nicht wahr?“

Ebenfalls wichtig ist der Begriff „gscheid“. Das wird häufig als Steigerung eingesetzt. „Gscheid bled“ heißt so viel wie: richtig blöd. Das Wörtchen ist überall einsetzbar und wird auch sehr häufig genutzt.

Natürlich darf das „bassd scho“ nicht fehlen! Das höchste Lob eines Franken! Eigentlich heißt es ja nur: passt schon. Doch wenn du von einem Franken ein „bassd scho“ hörst, kannst du mehr als glücklich sein – mehr Lob wirst du nicht bekommen. Bei einem „bassd scho“ hat der Franke nämlich überhaupt gar nichts auszusetzen und ist rundum zufrieden.

In Franken Essen und Trinken bestellen: gar nicht so einfach

Kulinarisch hat Franken einiges zu bieten. Doch, man muss erst einmal verstehen, was mit Schäuferla oder Baggerla gemeint ist, denn Umschreibungen wirst du in der Speisekarte nicht finden. Berühmt und berüchtigt in Franken ist das Schäuferla – das schaufelförmige flache Schulterblatt vom Schwein. Mit Schwarte und Knochen wird es serviert. Dazu gibt es meistens Kloß, Soß und Wirsing oder Sauerkraut. Und ihr könnt mir glauben: Das schmeckt einfach unfassbar gut! Knusprig, saftig und dazu Wirsing! Wer es allerdings lieber vegetarisch mag, bestellt ein Baggerla, einen Kartoffelpuffer.

Fehlen noch die  – und wofür ist Franken bekannt? Für Bier. Bestellt wird dann a Seidla, also 0,5 Liter Bier im Krug. Aber welches? Pils, Lager, Hell, Weizen? Ganz egal, in Franken bekommst du Alles – auch die kürzeste Bierbestellung auf der Welt: A U. Richtig, zwei Buchstaben genügen, um in Bamberg ein Bier zu bestellen, in diesem Fall ein ungespundenes Bier.

Adé auf fränkisch

Wer sich jetzt denkt: „So a Gschmarri“ hat sich schneller in den fränkischen Dialekt eingelebt, als gedacht.

In diesem Sinne, adé. (Auf Wiedersehen)

Von |11. September 2018|Kategorien: Ausgeplaudert|Tags: , , , |