– „Mehr Franken geht nicht oder?“ –

Auch im fünften Teil des Franken-Tatorts ermitteln sie als Kommissare Wanda Goldwasser und Sebastian Fleischer. Diesmal in Bayreuth. Die Bambergerin Eli Wasserscheid und der Hofer Andreas Leopold Schadt haben mit Jannik über den Tatort gesprochen.

„Ein Tag wie jeder andere“ läuft am Sonntag, 24. Februar, um 20.15 Uhr im Ersten.

Frankenfeeling: Wie realistisch ist es, dass der Anwalt nach der Tat mir nichts dir nichts aus dem Gerichtsgebäude spaziert?

Eli Wasserscheid: Die Tat hat sich ja zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht im Haus verbreitet, daher halte ich das schon für realistisch.

Andreas Leopold Schadt: Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht, ob das realistisch ist oder nicht. Wenn man so die Zeitungen aufschlägt und der Presse Glauben schenken darf, dann finde ich schon, dass alles möglich ist – selbst so etwas. So wie es dargestellt ist, denkt man: „Ja klar“, die kennen den ja und wissen nicht, wer geschossen hat und er geht eben dann einfach raus.

Wasserscheid: Dass man so etwas dem Anwalt zutraut, ist leider erst einmal so abwegig, dass keiner seine Flucht mitbekommt.

„Ein Tag wieder jeder andere“ ist inzwischen schon der fünfte Fall des Franken-Teams. Was hat sich beruflich und privat für Sie verändert, seit Sie im Tatort ermitteln?

Schadt: Richtig viel bling, bling und viel Fame (Wasserscheid lacht laut). Nein, ich lebe ja in Franken und da hat sich schon vieles getan. Es hat sich sehr angenehm entwickelt. Man denkt ja, dass Künstler, die einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben, immer alles umsonst kriegen. Das ist mir sogar unangenehm. Mir ist es erst passiert, als ich Anzüge kaufen war. Ich habe sie an einem Tag anprobiert und am nächsten Tag bezahlt. Ich kenne die Dame von dem Laden und habe vorher schon hochgerechnet, was es kostet. Sie hat mir schon ein bisschen Prozente gegeben. Ich bin dann aber raus und dachte mir: „Das gibt’s doch nicht.“ Dann bin ich noch einmal rein und die Dame hat tatsächlich ein Jackett vergessen. So günstig konnte das nämlich nicht sein. Ich habe die Jacke dann auch noch bezahlt. Ich könnte mir das sowieso nicht leisten, irgendwo was schuldig zu sein, weil die Leute mich ja kennen.  Ansonsten hat sich schon viel getan. Wenn ich jetzt bei einem Casting bin und sage, dass ich das nur unter bestimmten Voraussetzungen mache, dann schlucken die Leute erst einmal und sagen dann aber okay. Wenn das vor dem Tatort gewesen wäre und ich nicht der Kommissar Fleischer gewesen wäre, hätte man wohl gesagt: „Puh, dann machen wir es nicht.“ Aber ich bin ja immer noch derselbe Mensch und bringe die gleiche Qualität an schauspielerischer Leistung. Ich habe früher ja viel Theater gespielt, aber durch so eine Rolle kann man sich manchmal besser positionieren.

Wasserscheid: Ich würde es ähnlich sagen. Mir kommt gerade das Bild einer Fußballmannschaft. Wenn man in einer guten Fußballmannschaft spielt, öffnet das Türen. Ich kann jetzt nicht genau sagen, dass dieses oder jenes Angebot wegen des Tatorts kam, aber ich halte es für möglich. Und über den Tatort hinaus wächst und reift man ja weiter. Prioritäten verschieben sich. Da passiert viel und die Tatort-Reihe ist sicherlich ein Baustein, der einiges in Bewegung bringt.

Wodurch unterscheidet sich Ihr Team von anderen Tatort-Ermittlern?

Schadt: In der Aussprache.

Wasserscheid: Wir sind Franken, wir sind  eingroßes Team von fünf Personen. Das gibt es nicht so oft…. Ehrlich gesagt, fällt es mir schwer, die Frage zu beantworten, da ich ein Teil dieses Teams bin.

Schadt: Ich finde es auch von außen schwer zu beurteilen, aber harmoniesüchtig ist so ein Stichwort. Ich weiß auch nicht, ich komme die ganze Zeit auf dieses Harmoniethema.

Wasserscheid: Wir als Team sind ein ganz gutes Gemisch. Jeder hat seine Spezifizierung.

Schadt: Deswegen lösen wir ja auch die Fälle immer (beide lachen).

Wie gut kannten Sie sich alle fünf vor dem Tatort und ist mittlerweile vielleicht sogar eine Freundschaft entstanden?

Wasserscheid: Ich kannte Dagmar (Manzel, Anmerkung) und Fabian (Hinrichs, Anmerkung) von der Bühne. Hatte sie zuvor auch schon in Kinofilmen gesehen. Und schätze sie als großartige Schauspieler. Dich (zeigt auf Schadt) kannte ich nicht, lernte Dich erst bei unserem ersten gemeinsamen Tatort-Dreh kennen. Matthias (Egersdörfer, Anmerkung) kannte ich als Kabarettist, aber nicht persönlich. Matthias und ich bleiben vor und auch nach dem Dreh in Verbindung… und es wäre sicherlich schön, mehr Zeit miteinander zu haben.

Das lässt der Beruf allerdings nicht zu…

Wasserscheid: Ja, aber wenn wir im Wünsche-Land wären, würde ich sagen, dass ich mehr Zeit mit ihnen verbringen wollen würde.

Schadt: Bis auf Matthias Egersdörfer kannte ich vom Hörensagen eigentlich niemanden. Persönlich sowieso nicht. Beim ersten Mal war ich natürlich sehr aufgeregt, weil ich hauptsächlich aus dem Theater komme und wusste nicht so recht damit umzugehen, dass man gleich in so einen Tatort reinkommt. Mittlerweile ist es sehr harmonisch. Als wir jetzt den fünften Teil gedreht haben, haben wir uns glaube ich noch ein wenig mehr angenähert. Auf eine angenehme Art und Weise, die ich auch nicht mehr missen möchte und die man gerne öfter im Jahr haben kann. Am Set haben wir nicht so viel Zeit, etwas zu besprechen.

Der Dortmunder Oberbürgermeister beschwerte sich, dass Dortmund im Tatort zu klischeehaft dargestellt würde. Sind sie mit der Darstellung der Franken in Ihrem Tatort zufrieden?

Schadt: Ich bin selbst Fan des Dortmunder Ermittlerteams. Ich habe die Diskussion mitbekommen, kann es aber nicht beurteilen, weil ich diese Folge nicht gesehen habe. Ich glaube, wenn ein Klischee gezeigt wird, dann ist es nicht mehr echt. Ich habe schon das Gefühl, dass wir authentisch sind. Ob wir authentisch wirken, müssen andere beurteilen. Ich glaube, dass wir gut dargestellt sind, weil wir kein Klischee bedienen. Ich bin Franke, sie ist aus Franken. Egersdörfer ist Franke. Wir drehen in Franken.

Wasserscheid: Wir sind mit unserem Team ja in unterschiedlichen Regionen unterwegs und somit haben wir auch die Möglichkeiten, die unterschiedlichen Mentalitäten der Franken an sich zu zeigen und zu thematisieren. Das ist übrigens das Besondere dieses Tatorts, dass wir das ganze Frankenland erfassen und nicht nur die Landeshauptstadt.

Wie viel Franken steckt im Franken-Tatort?

Wasserscheid: Mehr Franken geht nicht oder? (lacht).

Schadt: Es gibt ja auch noch andere Rollen, die aus der Umgebung sind. Es gibt verschiedene Färbungen. Wenn wir in Würzburg drehen, dann schaut man, dass Kollegen aus der Ecke kommen.

Wasserscheid: Wir haben jetzt zum Beispiel im Bayreuther Festspielhaus gedreht. Ein Ort der für Franken steht wie die Scala in Mailand (schmunzelt).

Frage an Sie, Frau Wasserscheid. Wie viel Einfluss hatten Sie auf Ihren Rollennamen Goldwasser?

Wasserscheid: Sie meinen, weil ich „Wasserscheid“ heiße (lacht). Der Name der Rolle war im Drehbuch schon vor der Besetzung mit mir festgelegt.  Als ich für diese Rolle zum Casting eingeladen wurde, sah ich darin ein glückliches Omen.

Frage an Sie, Herr Schadt. Sie sind in Hof geboren und leben in Coburg. Könnten die beiden Städte auch Tatort?

Schadt: Die können das auf jeden Fall. Sie sind beide in Franken. Das eine ist ja mein Geburtsort und das andere ist sozusagen meine neue Heimat. Coburg hat natürlich seinen Flair mit der Veste und seinem sehr schönen Stadtkern. Hof hat den Untreusee. Dort könnte man sich ja auch einmal hinausbegeben. Ich würde das sehr begrüßen. In Coburg zum Beispiel bräuchte man für den Schadt gar kein Hotel bezahlen. Den holen wir ab oder er läuft zu Fuß ans Set, wenn es sein muss (lacht). Natürlich wünsche ich mir im Idealfall, dass beide Orte dran kommen. Wenn der Tatort noch ein paar Jahre existiert, ist die Wahrscheinlichkeit hoffentlich groß, dass man das hinkriegt.“

Passen die fränkische Idylle und Mord und Totschlag überhaupt zusammen?

Schadt: Mord passiert überall.

Wasserscheid: „Mord und Totschlag haben doch nichts mit landschaftlicher Idylle zu tun. Diese Geschichten erzählen von Menschen und ihren Themen, die nicht aufgearbeitet worden sind. Über die nicht gesprochen wird. Traumata, die eine Konsequenz haben.“

Schadt: Ich sehe keinen Unterschied zum Land.

Wasserscheid: Vielleicht sind die Motive anders. Man wird vielleicht in einem kleinen fränkischen Dorf keinen Mord unter Finanzhaien finden. Aber wer weiß das schon.

Ist für Sie als Franken im Franken-Tatort ein Traum wahr geworden?

Schadt: Als ich 2014 nach Hof zurückgezogen bin, war ich auf dem Weg zu meinen Eltern. Da ging das Telefon mit dem Hinweis, es wird irgendein fränkischer Krimi gedreht und Sie sind ja aus Franken Herr Schadt. Könnten Sie sich das irgendwie vorstellen?  Es wird irgendwann im Herbst gedreht oder im Sommer. Das wissen sie noch nicht so genau. Dann hatte ich das aber schon wieder vergessen, weil ich in eine ganz andere Richtung tendiert bin. Ich hatte mit der Schauspielerei aufgehört –  eigentlich. Dann kam der Castingtermin und ich hab gedacht: „Gehst halt mal hin.“ Dann war ich aber sehr aufgeregt, habe auch Zweifel gehabt, weil ich nicht wusste, wer spielt da jetzt mit. Mich kannte man ja nicht, ich habe vorher nur Theater gespielt. Und warum sollen die mich da jetzt auswählen? Ich habe das Handy die ganze Woche in der Hand gehalten und dann hab ich es einmal auf lautlos gestellt und genau da rufen sie an. Dann bin ich ans Telefon und hab zurückgerufen und dann war natürlich besetzt, weil die schon wieder zurückgerufen haben. Irgendwann sind sie dann ans Telefon und haben mir diese Rolle vorgeschlagen. Ich habe gesagt, da müssen wir nichts vorschlagen, egal wie viel Text. Ich bin ja aus Franken und da war mir das wurscht. Ich habe dann das Textbuch bekommen und geguckt. Das hab ich, das hab ich und das hab ich auch noch.  Am Ende habe ich gesagt, ich glaube das erst, wenn ich am Set bin. Das kann doch alles gar nicht wahr sein. Ich habe mich damals entschieden nach Franken zurückzuziehen und kriege eineinhalb Jahre später die Quittung, im positiven Sinne natürlich.

Wasserscheid: Ich hatte damals aus der Zeitung erfahren, dass der BR einen Franken-Tatort drehen möchte. Und sofort hatte ich zur mir gesagt, da will ich mitmachen.  Dann erhielt ich eine Einladung zum Casting und es folgte erst einmal eine lange Zeit des Wartens (seufzt). Als der Anruf kam und ich eine Zusage erhielt, habe ich mich so was von gefreut. Ich bin nämlich schon immer eine leidenschaftliche „Tatort-Guckerin“ gewesen.

Fotos: BR/Philipp Kimmelzwinger, BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden und BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Willy Dettmeyer

Nicht mehr lange bis zum
Franken-Tatort in der ARD
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INHALT

Der Tag in Bayreuth beginnt wie jeder andere. Doch dann geschieht ein Mord. Der Bayreuther Anwalt Thomas Peters (Thorsten Merten) erschießt im laufenden Prozess einen Richter. Kurz vor der Tat schaut er auf die Uhr und wartet die volle Stunde ab. Dann flüchtet er. Exakt eine Stunde später stirbt eine Universitätsmitarbeiterin. Wieder ist Anwalt Peters der Täter. Es gibt zunächst kein erkennbares Motiv, keine Verbindung zwischen dem Täter und den beiden Opfern. Doch es gibt ein Tatmuster. Auch hier hat Peters die volle Stunde abgewartet. Und er ist weiter flüchtig. Droht ein dritter Mord zur nächsten vollen Stunde? Wer wird das Opfer sein? Und wo ist die Tat geplant? Felix Voss (Fabian Hinrichs), Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und ihr Team ermitteln in einem rasanten Wettlauf gegen die Zeit, um ein nächstes Menschenleben zu retten.