Falsch umgestiegen

Wer kennt es nicht: Du fährst die ersten Male in deine neue Unistadt. Alles ist noch neu und unvertraut: die Menschen, die Stadt und auch der Weg dorthin. Den versuchst du mit der Deutschen Bahn hinter dich zu bringen. Beim Blick auf den Fahrplan: Verspätung und ungeplantes Umsteigen. Das Ergebnis: Verfahren in der fränkischen Provinz.

Da du jetzt schon mal für einige Stunden hier in Bad Kissingen bist, kannst du auch gleich die Stadt erkunden. Also raus aus dem Bahnhofsgebäude, die rostigen Gleise hinter sich lassen und zur Bushaltestelle vor dem Eingang. Mit etwas Glück erwischt du die Linie 5, die in 20 Minuten an der Ruine Botenlauben ist. Schneller ist man auch zu Fuß nicht. Nach einem kurzen Aufstieg kannst du im Regelfall einen herrlichen Ausblick auf die Kurstadt bis ins Land der offenen Fernen – die Rhön – mit dem Kloster Kreuzberg genießen, dich auf eine Tagträumerei einlassen oder einfach vom Südturm aus deinen nächsten Anlaufpunkt aussuchen. Die wie ein funkelndes Silberband die Kurstadt durchziehende Saale sticht sofort als Orientierungspunkt ins Auge.

  • Frankenfact für Neugescheite: Der Sage nach flog der Schleier der Burgherrin Beatrix von Botenlauben von dort aus durch einen Windstoß bis nach Frauenroth. Dort liegen Burgherr und -frau im daraufhin errichteten Kloster begraben.

Pragmatische Städteplaner

Einprägen musst du dir das Straßennetz nicht. Kissingen sieht von oben zwar nach Trubel und Hektik aus, wenn du allerdings den Weg in die Innenstadt antrittst, fällt dir schnell auf, dass hier das Städteplanermotto „quadratisch, praktisch, gut“ gilt. In die Stadt kommst du ebenfalls mit der Linie 5, die auch stadteinwärts fährt. Endstation ist der Berliner Platz – der Busbahnhof.

Zugegeben, nicht gerade eine architektonische Meisterleistung, aber Kissingen kann auch anders. Schöner wird’s stadteinwärts. Wenn du der Münchner Straße bergab folgst, bist du in wenigen Minuten in der Innenstadt. Mit ein bisschen Glück ist gerader grüner Markt. Falls du knapp bei Kasse bist und von deinem Burgabenteuer hungrig geworden bist: Fast an jedem Stand  gibt es Probierhäppchen.

Nachdem du dir deinen Weg in die Innenstadt gesnackt hast, solltest du dich wie im Urlaub fühlen: breite Promenaden und klassizistische Architektur bestimmen das Stadtbild. Im Sommer fühlt man sich wegen der vielen Palmen wie in Cuba. Sogar einen Saalestrand hat die Stadt: der hat allerdings nur bis September geöffnet. Ist der Strand geschlossen – auch kein Problem. Kissingen hat nicht nur Sex on the Beach zu bieten. Gleich auf der Ludwigsbrücke kann man mit Blick auf den Regentenbau einen echten fränkischen Brückenschoppen vor dem Weinwerk genießen.

Viele Rentner hier, nicht? Aber die Kurstadt hat auch für junge Leute was zu bieten: Die alternative Kultkneipe „zoom Eulenspiegel“ öffnet ab 17 Uhr. Nichts wie hin! Der Grund: Vorhin hast du den Kreuzberg nur erahnen können, jetzt kannst du ihn schmecken. Kneipenwirt Christian Hänsch schenkt das Klosterbier direkt vom Fass aus. Auf die Ohren gibt es dabei das Beste von „A“ wie Anti-Flag bis zu „Z“ wie ZZ-Top.

Die Kissinger und ihr Wasser

Solltest du jetzt schon den Alkoholpegel merken und dir die Ohren dröhnen, verlässt du sicherheitshalber die Eule und gehst die 500 Meter ins Kurgebiet. Dort kannst du dich am Heilwasser laben. Gegen Rheuma und Co hilft‘s – ob es auch beim Kater hilft, musst du für dich selbst herausfinden. Wenn du schon mal im Kurgebiet bist, kannst du gleich den Regentenbau erforschen. Dort tritt in der Konzertmuschel fast täglich das Kurorchester auf: Suchst du dir einen Platz außerhalb des Kurparks, kommst du entweder um 10.30 oder 15.30 Uhr in den kostenlosen Genuss von Strauss und Co.

  • Frankenfact für Neugescheite: Das Kissinger Kurorchester ist Guiness-World-Record-Halter als meistspielendes Ensemble weltweit.

Wichtig ist, dass du die Uhr im Blick behältst. Also die Beine in die Hand genommen und wieder in Richtung Innenstadt. Schnell noch ein Eis geholt und wieder zurück zum Berliner Platz, um mit der Linie 5 zurück zum Bahnhof zu kommen. Verspätung erfolgreich überbrückt?

KURZGEFASST

Bad Kissingen:

Unfreiwillige Erkundungstour

Umsonst