– Wie ein kleiner Ort in Franken Kinder glücklich macht –

Wir freuen uns selbst wie kleine Kinder, dabei haben wir keine Ahnung, was uns eigentlich erwartet. Auf der Fahrt ins beschauliche Himmelstadt malen Jutta und ich (Dunja) uns aus, wie es dort wohl aussieht, in der Weihnachtspostfiliale des Christkindes. Bestimmt ist es weihnachtlich geschmückt und stapelweise Briefe warten darauf beantwortet zu werden. Und wir sollten Recht behalten.

„Hier geht es zur Weihnachtspostfiliale“ – ein Schild thront wie ein Wegweiser über dem Eingang des Weihnachtspostamtes. Wir treten ein und spitzen durch die geöffnete Tür. Rosemarie Schotte und ihr Team erwarten uns bereits. „Nur hereinspaziert“, empfängt uns die Leiterin der Weihnachtspostfiliale. Rosemarie Schotte sitzt zusammen ein einigen ihrer Helferinnen an einem langen Tisch – voll mit Briefen. Stapelweise Weihnachtspost inmitten weiterer gefüllter Postkisten. Und alle Briefe wollen sortiert und natürlich auch beantwortet werden.

Weihnachtswünsche – von materiell bis tiefgründig

„Ich habe meinen Weihnachtsbrief auf die Terrasse gelegt und dir Plätzchen und ein Glas Milch zur Stärkung danebengestellt“, schreibt ein Kind an das Christkind. Zusammen mit Weihnachtswünschen, wie Spielzeug oder Gesundheit für die eigene Familie, erreicht diese Botschaft Rosemarie Schotte. „Wahrscheinlich haben die Eltern des Kindes den Brief in einen Briefkasten geworfen und zu uns geschickt“, erzählt Schotte.

Rund 80.000 Briefe von Kindern aus der ganzen Welt flattern wohl auch in diesem Jahr in Himmelstadt ein. „Kinder aus 124 Ländern haben uns mittlerweile ihre Weihnachtswünsche geschickt“, erzählt Rosemarie Schotte. Neben klassischen Wunschzetteln an das Christkind, finden sich auch tausende sehr emotionale Briefe. Weihnachtspost von Kindern, die teils schwer krank sind oder schlimme Schicksalsschläge verkraften müssen. Auch Weihnachtsbotschaften, die verstorbene Familienmitglieder im Himmel erreichen sollen, stellen Rosemarie Schotte und ihr Team vor besondere Herausforderungen.

Zuschriften dieser Art sortieren die ehrenamtlichen Helferinnen in eine Postkiste, auf der „Zusatz“ steht. Das bedeutet, dass Rosemarie Schotte und einige ausgewählte Kolleginnen den Kindern eine persönliche Nachricht „zusätzlich“ zum Antwortschreiben notieren. Rosemarie Schotte hält einen Stapel von „Zusatzbriefen“ in der Hand und liest die Notizen vor, die sie auf den Umschlägen vermerkt hat. „Kind mit Down-Syndrom, Vater gestorben, Mutter schwer krank, Oma im Himmel,…“. Ich bekomme eine Gänsehaut. Sind das viele. Und längst nicht alle.

Illustrierte Weihnachtsgeschichte als Antwort

Jeden einzelnen Brief beantworten Rosemarie Schotte und ihre 42 Helfer persönlich. Und dafür denkt sich die 78-jährige Leiterin des Christkindbüros jedes Jahr eine neue Geschichte aus. Liebevoll gestaltet mit einem Bild und der dazu passenden Erzählung rund um das Christkind und seine fleißigen Helferlein. Dieses Bild passt übrigens immer genau zur Dekoration in der Weihnachtspostfiliale und wird von Schottes Enkelin gemalt.

Besagte Deko nimmt einen großen Teil des Christkindbüros ein. Eine festlich gedeckte Tafel, an der die Helferlein des Christkindes sitzen und Wunschzettel und Brieflein vorlesen. Engel, Wichtel, ein Bär und ein Rentier haben sich zu einer Weihnachtsfeier versammelt. Nebenan backen leckere Plätzchen in einem Ofen, ein Adventskalender mit 24 Päckchen baumelt von der Decke und selbstverständlich darf auch der himmlische Briefkasten nicht fehlen. In den können Kinder an zwei Adventssonntagen sogar persönlich ihre Wunschzettel einwerfen. Kitsch so weit das Auge reicht. Aber irgendwie haben wir es uns ja auch so vorgestellt.

Während Schottes ehrenamtliche Helfer meist vormittags ein paar Stunden helfen, Briefe mit nach Hause nehmen und beantworten, ist es für die Leiterin quasi ein Fulltime-Job. Das ganze Jahr über organisiert sie als „rechte Hand des Christkinds“ ihre Weihnachtspostfiliale. Vereinzelt erreichen den Briefkasten des Christkindes bereits kurz nach Weihnachten schon Wünsche für das kommende Weihnachtsfest. „Die schreiben dann ‚Ja ich weiß, ich bin früh dran, aber sicher ist sicher‘“, erzählt Schotte.

Weihnachtspost ist eine Herzensangelegenheit

Schotte macht das mit Leidenschaft und das schon seit 26 Jahren. Als Kind hat sie selbst einmal an das Christkind geschrieben. Überhaupt liebt Rosemarie Schotte Weihnachten und hat es schon immer geliebt. „Früher war ich immer der Engel Gabriel in der Kirche und habe gesungen“, schwelgt Schotte in Erinnerungen. Während sie von lecker duftenden Apfelsinen und polierten Äpfeln auf einem Tellerchen als Weihnachtsgeschenk spricht, fangen Schottes Augen an zu leuchten. Es gab nicht viel, als Schotte noch klein war und dennoch hat sie nur gute Erinnerungen an das Weihnachtsfest bei ihrem Opa.

„Ich bin emotional sehr sozial eingestellt und Kinder liebe ich über alles“, betont Schotte. Ein Funkeln in ihren Augen bleibt nicht verborgen. Besonders die traurigen Briefe mancher Kinder beschäftigen sie manchmal länger, als ihr lieb ist. So gibt es auch nach Jahren noch Briefe, die Rosemarie Schotte im Gedächtnis bleiben. Emotionale Briefe und die wahren Geschichten dahinter lassen Schotte nicht kalt. Schotte erzählt uns von einem Schreiben, das sie vor Jahren von einem Mädchen erhielt, deren Mutter und Oma schwer erkrankt sind. Der Vater hatte keine Arbeit. „Es war Elend auf der ganzen Linie“, sagt Schotte, die die Familie persönlich kannte. Und während sie von einer Begegnung mit der Familie spricht, wird Schottes Stimme plötzlich zittrig, sie macht eine Pause, Tränen kullern aus ihren Augen. „Das hat mich sehr berührt“, sagt Schotte leise. Die Weihnachtspostfiliale ist für Rosemarie Schotte eben eine echte Herzensangelegenheit.

Fazit:

Nach unserem Besuch in der Weihnachtspostfiliale waren Jutta und ich uns einig. Dieser Besuch hat sich gelohnt. Als ich noch klein war, habe ich selbst einmal an das Christkind in der Himmelstädter Weihnachtspostfiliale geschrieben. Und eine niedliche Geschichte als Antwort zurückbekommen. Jetzt, fast zwei Jahrzehnte später, habe ich hinter die Kulissen schauen dürfen und die „rechte Hand des Christkinds“ kennengelernt. Und ich freue mich von ganzem Herzen, dass Rosemarie Schotte und ihrem Team wirklich etwas daran liegt, Kinder glücklich zu machen.

KURZGEFASST

Briefe an das Christkind
Weihnachtspostfiliale
Kirchplatz 3 in 97267 Himmelstadt
Rosemarie Schotte und ihre Helfer beantworten 80.000 Weihnachtswünsche