Wie gesund ist die fränkische Küche?

– Infos & Tipps einer fränkischen Ernährungsberaterin –

Schäuferla, Bratwürste, Kloß und Soß – unsere fränkischen Spezialitäten schmecken zwar unglaublich lecker, gesund sind sie aber nicht, oder? Ich (Jutta) habe mich mit der Ernährungsberaterin Anja Pauli getroffen, um dieser Frage auf den Grund zu gehen. Sie ist seit 21 Jahren freiberuflich als Ernährungs- und Diätassistentin in Pettstadt tätig, selbst Fränkin und liebt die fränkische Küche. Aus der langen Erfahrung mit ihren Kunden und aus eigener Erfahrung weiß sie ganz genau, warum den Franken eine gesunde Ernährung und eine Diät so schwer fallen.

Die fränkische Küche ist ungesund – stimmt das?

Es wird jetzt wohl keinen schockieren: Ja, die fränkische Küche ist ungesund! Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Zum einen ist die unsere Küche sehr fleischhaltig: Wir essen hauptsächlich Schweinefleisch, also rotes Fleisch, welches nicht gerade mager ist. Dazu kommt dann noch die Menge: Nirgendswo gibt es so große Portionen für so wenig Geld wie bei uns, da hängt schon mal das Schnitzel links und rechts vom Teller. Und weil das Fleisch beinahe den gesamten Teller einnimmt, ist für das Gemüse kaum noch Platz darauf. Im Vergleich zur chinesischen Küche, die viel gegartes Gemüse beinhaltet,  sind wir Franken mit der gesunden Ernährung weit hinterher… Und wenn wir mal Gemüse kochen, dann aber so richtig, bis auch die letzten Vitalstoffe abgetötet sind. Der Wirsing ist zum Beispiel gesund, aber meistens wird er mit viel Schmalz zubereitet. Wie Oma immer sagt: Fett macht den Geschmack! Deshalb muss alles ordentlich im Fett schwimmen – sei es Schnitzel, Apfelkräpfla oder Hörnchen. Und weil das nicht genug ist, gibt es neben dem Essen ja auch noch die Getränke…

Franken und Bier – das darf man doch nicht trennen?

Klar, für einen Franken gehört ein Bier zum Essen einfach dazu. Jetzt müsst ihr tief durchatmen: Für die Figur ist Alkohol aber das Schlimmste, was es gibt. Durch den Alkohol wird die Fettverbrennung gehemmt. Isst man also einen Braten und trinkt dabei sein Bier, dann landet die Mahlzeit direkt auf den Hüften anstatt verbrannt zu werden. Rein vom Stoffwechsel her wäre es also besser, das Bier getrennt vom Essen zu trinken. Und nein, eine Lücke im System konnte ich leider nicht finden: Ein Radler ist keine gesündere Alternative – zwar ist der Alkoholgehalt niedriger als bei einem Bier, dafür ist der Zuckeranteil höher. Am besten sollte man es sich abgewöhnen, Alkohol zum Essen zu bestellen.

Die Essgewohnheiten: Abtrainieren!

Bier zum Essen, große Portionen und was Gescheit`s aufn Teller – Gesunde Ernährung will (schwer) gelernt sein. Vor allen an Feiertagen wird bei uns so richtig aufgetischt. Als Gastgeber wird so viel gekocht als wären doppelt so viele Gäste geladen und als Gast isst man dann anstandshalber lieber noch eine Portion mehr, obwohl man bereits satt ist. Andernfalls erntet man erboste Nachfragen, ob das Essen wohl nicht geschmeckt hat? Und wie oft legt man selbst  Messer und Gabel wieder aus der Hand? Gar nicht! Wenn wir einmal mit dem Essen angefangen haben, dann wird bis zum letzten Bissen keine Pause gemacht. Anjas Tipp: Bloß keine Töpfe auf den Tisch stellen! Dann überlegt man sich nämlich gleich zweimal, ob man wirklich noch einen Nachschlag braucht. Nach 20 Minuten setzt das Sättigungsgefühl ein, deshalb sollte man in Ruhe essen, Pausen einlegen und warten, bis es eine zweite Portion gibt. Hier heißt es: Übung macht den Meister.

Gibt es vegane / vegetarische fränkische Gerichte?

Jain. Da das fränkische Essen sehr fleischhaltig ist, muss man schon kreativ werden, wenn es um vegane oder vegetarische Bräten  geht. Es gibt aber auch Ausnahmen: Eine vegetarische Nürnberger Bratwurst kann man zum Beispiel ganz einfach zubereiten. Das Fleisch in der Bratwurst hat nämlich wenig Eigengeschmack, da kommt es auf die Gewürze an. Die Nürnberger Bratwurst enthält viel Majoran, deswegen ist in den Tofu-Würstchen auch Majoran drin. Das schmeckt auch wie eine fränkische Wurst, nur etwas trockener. Aber Achtung: Vegane und vegetarische Produkte sind  nicht unbedingt gesünder, denn auch in ihnen steckt viel Fett.

Muss ich bei einer Diät auf fränkisches Essen verzichten?

Nein! Bei einer Diät kommt es generell darauf an, wie viel man isst. Schäuferla, Bräten und Co. sind also erlaubt – solange es sich in Maßen hält. Ein Schäuferla hat beispielsweise 700 Kalorien und etwa 50 Gramm Fett! Deshalb gilt: Lieber halbe Portionen bestellen. Wenn man selbst kocht, sollte man statt Fett und Schmalz lieber Pflanzenöl verwenden. Außerdem ist es gar nicht so gesund, komplett auf die Leckereien zu verzichten. Ein Schäuferla kann schon ab und zu den Stoffwechsel ankurbeln. Hält man nämlich zu oft und zu lange Diät, sinkt der Grundumsatz. Sobald man sich dann etwas gönnt, wird das sofort als Fett gespeichert.

Fazit: Fränkische Küche nur in Maßen

Man kann sich gesund ernähren, ohne dabei auf die fränkischen Spezialitäten zu verzichten. Solange man diese in Maßen isst und den Tagesbedarf nicht überschreitet, spricht nichts dagegen. Übrigens ist die Fränkische Küche eine Tradition, die man nicht verlieren sollte – und damit sie auch etwas besonderes bleibt, sollte sie nicht immer auf der Tagesordnung stehen.

Von |18. Dezember 2018|Kategorien: Ausgeplaudert|Tags: , , , |