– Gott sei dank, bin ich a Frank! –

Franken gehört zu Bayern – ein weitverbreiteter Irrglaube, wenn es nach den Franken geht. Auf die Frage, woher ein Franke kommt, würde er nie mit diesem Bundesland antworten. Ganz im Gegenteil: Bezeichnet man einen Franken als Bayer, so wird dieser vehement verneinen, einer von ihnen zu sein. Er stellt dann deutlich, und ein für alle Mal klar: „Ich komme aus Franken und nicht aus Bayern!“

Verlorene Unabhängigkeit

Es ist schon einige Jahrhunderte her, dass Franken seine Unabhängigkeit verloren hat und Teil des Freistaats Bayern wurde. Die einstige Eigenständigkeit ist aber noch tief in den Köpfen der Franken verankert. Während sich Jung-Franken langsam von diesem Schock erholen und auf den Kerwas stolz in ihre bayerische Tracht schlüpfen, schütteln ältere Generationen über diese Entwicklung fassungslos die Köpfe. Wie kann man auch die falsche Tracht anziehen, wo wir in Franken doch eine eigene haben?!

Und überhaupt – so viel Neues auf einmal, das wollen die Franken gar nicht. Selbst Zugezogene werden, wenn sie in eine ländliche Region ziehen, häufig mit den netten Worten „bist du neigschlaft?“ begrüßt. Ist man hingegen nicht ins Frankenland „reingeschleift worden“, wird man ebenso skeptisch gefragt: „Wem gehörst denn an?“ Der sicherheitsliebende Franke möchte eben ganz genau wissen, wen er da zum Nachbarn hat. In der Stadt wirken die Franken nicht so neugierig, sondern sogar regelrecht desinteressiert. Konversation ist da Fehlanzeige – selbst ein freundliches Lächeln im Hausflur wird eiskalt ignoriert.

Ist der Franke wirklich so unfreundlich?

Nicht ganz ohne Grund werden die wortkargen Franken daher schnell als unfreundlich abgestempelt. Doch so garstig sind die Franken gar nicht. Wer sie länger kennt, wird merken, wie herzlich sie sein können. Nicht aus Zufall verniedlichen sie viele Wörter mit einen –la oder –le am Ende. Es ist einfach nur das Zeigen von Emotionen, das ihnen schwer fällt. Ein Küsschen links und rechts auf die Wange, eine herzliche Umarmung oder ein breites Grinsen mit einem lautstarken „Servus!“ (wie es diese Bayern machen), sowas liegt dem Franken einfach nicht. Ein kurzes Zunicken gepaart mit dem Zuprosten eines Kruges ist da schon eher seine bevorzugte Ausdrucksweise. Und ist er rundum zufrieden und will sein Lob aussprechen, dann folgt ein knappes „basst scho“ (bei besonderer Zufriedenheit ebenfalls gepaart mit einem kurzen Nicken).

Was sich für Nicht-Franken wie ein emotionsloses „es ist gerade noch okay“ anhört, ist für den Franken das höchste aller Gefühle. Der Universal-Ausdruck für Lob, Anerkennung und Zufriedenheit spart nicht nur Zeit und Worte, er kann auch in so gut wie jeder Situation verwendet werden. Praktisch und einfach – das gefällt den Franken nun einmal.

Bei einer Sache blüht der sonst wenig enthusiastische Franke aber wahrlich auf: Beim Essen und Trinken. Denn Franken sind Genießer. Beim Essen geht es nicht darum, ob es schnell und einfach zuzubereiten ist. Da erwartet der Franke deftige Bräten, Klöße, eine üppige Brotzeitplatte und ein frisch gezapftes Bier auf seinem Tisch. Nirgendwo sonst gibt es so große Portionen und volle Bierkrüge zu so niedrigen Preisen. Ist ein Franke im Urlaub, vermisst er häufig als erstes eine herzhafte Brotzeit oder einen geselligen Kellerbesuch. Seine Heimat ganz hinter sich zu lassen, das käme einen richtigen Franken nie in den Sinn. Wenn es um sein schönes Frankenland geht, bringt der Franke sogar ein richtiges Lob über die Lippen und sagt: „Gott sei Dank, bin ich a Frank!“

KURZGEFASST

Geschichte der Franken
Woher die Franken stammen
Wie die Franken sind