– Der Heiligabend und seine Möglichkeiten –

An Heiligabend gibt es Würstchen mit Kartoffelsalat, danach geht die Familie in die Kirche und im Anschluss gibt es Bescherung. So schaut der Weihnachten beim Durchschnitts-Deutschen aus. Aber wir wissen: keiner ist Durchschnitt. Jeder feiert Weihnachten auf seine eigene Art und Weise. Wir zeigen euch hier, wie unser Heiligabend aussieht – keiner davon entspricht dem Durchschnitt.

Weihnachten bei Christoph

Früher war alles einfacher – als alle Geschwister noch im Elternhaus wohnten. Mittlerweile arbeiten alle – auch an Weihnachten. Wann wer nach Hause kommt – und wie lange – ergibt sich spontan. Aber unsere Familientraditionen bestehen bis heute, egal wer Weihnachten bei Mama und Papa verbringt. Zuerst wird der Baum geschmückt (den wir mittlerweile schon vor der Bescherung bestaunen dürfen). Der Großteil geht am Nachmittag in eine überfüllte Kindermette.

Nach der Kirche kommt die Bescherung. Alle versammeln sich um den Baum und die weibliche Familienhälfte singt zumindest ein weihnachtliches Lied, bevor die Geschenke ausgepackt werden. Und erst danach gibt es das weihnachtliche Abendessen, ganz traditionell: Pizzabrötchen. Der restliche Abend wird gemütlich mit Kevin Allein Zuhaus und einem Brettspiel gefeiert.

Weihnachten bei Anna-Lena

Kein Heiligabend ohne Linsensuppe: Weihnachten startet bei uns traditionell mit dem Mittagessen bei meiner Oma. Warum Linsen? Na damit das Geld nicht ausgeht. Hinterfragt habe ich das nie, aber das gehört einfach dazu. Der restliche Tag ist bei uns eher gemütlich, besser gesagt ziemlich faul. Mein Bruder und mein Papa freuen sich über alte Kinderfilm-Klassiker im Wohnzimmer, meine Mama und ich spielen Karten, dann wird gekocht. Auf den Tisch kommt am Abend traditionell Fisch. In meiner Kindheit sind die Karpfen dafür schon Tage vorher in der Badewanne herumgeschwommen – mittlerweile darf ich am Heiligabend kochen und greife da lieber auf bereits filetierte Exemplare zurück. Nach dem Abendessen gibt es Bescherung – erst bei meinen Eltern, dann klingelt das Glöckchen ein Stockwerk tiefer bei meiner Oma. Bei ihr im Wohnzimmer lassen wir den Abend mit Glühwein und alten Heimvideos ausklingen.

Weihnachten bei Niklas

Ich feiere in einem 117-Seelendorf, in das man auf der gleichen Straße rausfahren muss, auf der man auch gekommen ist. Es gibt Raclette, klar, weil dann der Kochstress auf alle verteilt wird und für jeden was dabei ist und die Kinder nicht quengeln. Schließlich sind ein kleines und ein sehr kleines mit dabei, deren Eltern, alle Großeltern, zwei Tanten und zwei Onkel – den Anhang nicht mitgerechnet. Jemand spielt Weihnachtslieder auf der Gitarre, jemand vergisst die zweite Strophe von „Oh Tannenbaum“, ein Gedicht wird vorgelesen. Man öffnet Geschenke und die nächste Flasche Wein, man redet und spielt mit einer Hand mit den Kindern, während man das Essen lobt – Schnee liegt keiner, glücklich sind alle.

Weihnachten bei Stefanie

Weihnachten feiere ich in der Oberpfalz. Es gibt am Nachmittag Raclette, bei dem jeder so sein Lieblingspfännchen hat, das auf keinen Fall fehlen darf. Im Hintergrund läuft weihnachtliche Musik, auf die mein Papa nicht verzichten möchte – das Singen lässt er zum Glück sein. Danach gibt es eine Feuerzangenbowle. Das Licht wird ausgeschaltet und wir schauen dem Zuckerhut beim Abbrennen zu. Erst danach gibt es dann die Bescherung. Die ist im Laufe der Jahre immer unwichtiger geworden. Geschenke sind einfach doch nicht mehr alles. Trotzdem ist es, seit ich denken kann, schon immer meine Aufgabe sie unter dem Baum hervor zu holen und zu verteilen. Denn als Kind war ich immer diejenige, die es überhaupt nicht abwarten konnte, bis es Geschenke gibt. Wenn alles ausgepackt ist, wird noch gemütlich auf dem Sofa gesessen, bis es dann um 22:30 Uhr in die Christmette geht. Da fällt das Aufstehen zwar schon schwer, aber die Mette ist einfach feierlich und gehört jedes Jahr zu Weihnachten mit dazu.

Weihnachten bei Jann

So viele Jahre ist Weihnachten eine Konstante gewesen: Erster Programmpunkt an Heiligabend war der Gang in die Kirche mit der Familie. Allerdings die Messe für Familien mit Kindern am Nachmittag. Und das auch noch, als wir „Kinder“ längst keine mehr waren. Ganz einfach, weil keiner Bock hatte, stattdessen für die Abendmesse um 22 Uhr nochmal loszugehen. Da ist längst Zeit für die Couch! Vorher gab es aber noch Bescherung, und die immer schon vor dem Abendessen – traditionell Raclette – damit die geschenkgeilen Kinder (Ich) bis dahin wieder etwas runtergefahren hatten.

Das alles ändert sich irgendwann. Man wird alt. Die Geschwister haben Partner und man selbst bestenfalls auch. Dann kommen die ersten Absagen für den gemeinsamen Heiligabend. Man kann sich schlecht zerteilen und es gibt jetzt zwei Familien unter einen Hut zu bringen. Und ein bisschen Zweisamkeit darf es ja auch noch sein. Und schon hat man Stress an Weihnachten, was früher noch die drei entspanntesten Tage des Jahres waren. In dieser Phase stecke ich gerade. Wie ich dieses Weihnachten feiere? Vermutlich ziemlich spontan und improvisiert. Aber wer weiß, vielleicht entsteht in diesem Jahr ja schon eine Tradition der Zukunft.