Zehn Tage Party bei „Kronach leuchtet“: Das treiben die Coburger Studenten beim Lichtfestival

– Bands und Lichtkunst bei „Kronach leuchtet“: Lange Nächte für Coburger Hochschüler –

Dass Anna Tietze und Moritz Spielmann nicht gleich auf den Stufen der Christuskirche eindösen, ist eigentlich ein Wunder. Viel Schlaf bekommen die beiden in letzter Zeit nämlich nicht. Stattdessen hocken sie im Schneidersitz an einer der Hausecken und verlegen den nächsten Meter Kabel. Im Hintergrund knallen Autotüren und ein kleiner Junge verlangt lautstark, vorne sitzen zu dürfen. Doch die Studenten bleiben hochkonzentriert.

Coburger Studenten bei „Kronach leuchtet“ im Einsatz

Mit elf Kommilitonen der Coburger Hochschule und ihrem Dozenten Michael Müller rücken sie die Kronacher Architektur ins rechte Licht – und stehen dabei unter genauer Beobachtung. Denn die Hochschüler werden für ihre Leistung bei „Kronach leuchtet“ benotet. Zum vierten Mal sind Studenten des Studienganges Innenarchitektur bei der Veranstaltung im Einsatz. Die Teilnahme am Fest wird an der Hochschule als Projekt angeboten. Doch ausgerechnet in der Woche des Aufbaus liegt Dozent Michael Müller krank im Bett. Nun muss Simon Müller als studentische Projektleitung sicherstellen, dass ab Freitag sowohl die installierten Lampen als auch die Gesichter der Besucher strahlen.

„Für viele der Studenten ist es das erste Lichtprojekt überhaupt“, erzählt der 28-Jährige. Die meisten von ihnen seien im zweiten Semester, gemeinsam verbringen sie eine Woche in Kronach. Vom Strauer Torweg bis hinunter zum Kirchplatz haben sich die Studenten vorgearbeitet, im Stadtgraben steht ein Laster voller Lichtequipment. Während des zehntägigen Festes bleiben die Straßenlaternen in diesem Stadtbereich ausgeschaltet, damit die Beleuchtung voll zur Geltung kommen kann.

„Kronach leuchtet“ ist kein zweites Las Vegas

Die Aufgabe der Studenten sei es, Architekturmerkmale zu erkennen und jeweils die richtige Illumination dafür zu finden. Farben werden dabei selten verwendet. Denn: „Alles mit mehr als zwei Farben wirkt wie Las Vegas: kitschig und bunt.“ Und das sei definitiv nicht das Ziel der Gruppe. Viele Besucher kämen mit der Erwartung, bei „Kronach leuchtet“ müsse alles bunt und schrill blinken. Es gebe aber auch diejenigen, die auf weniger Spektakel und mehr Architektur aus seien, meint Simon. „Es kommen beispielsweise auch viele Fotografen, die Gebäude mit Langzeitbelichtung fotografieren.“

Vier Nächte bleiben die Studenten in Kronach, Schlaf finden sie dabei allerdings wenig. „Tagsüber verlegen wir Kabel und räumen den Lastwagen aus“, erzählt Simon. „Aber nachts können wir natürlich besser sehen, welcher Strahler anders ausgerichtet werden muss.“ Zwischen 15 und 18 Stunden arbeite das Team täglich. Dann gibt es ein gemeinsames Abendessen, bevor alle erschöpft ins Bett fallen. „Nachts um 4 liegen die Nerven schon mal blank“, sagt Simon und lacht. Dass ein Student das Projekt deswegen in der Vergangenheit abgebrochen hätte, habe er aber noch nicht erlebt. „Wir sind ja auch nicht gnadenlos“, stellt der 28-Jährige klar. Wer zwischendurch eine Pause braucht, bekomme sie auch.

Projekt der Hochschule: ECTS fürs Festival

Die Leistung während des Aufbaus wird bewertet und später mit einer Dokumentation und Präsentation der Ergebnisse verrechnet. Die Grundlagen der Elektronik sollten die Studenten dafür beherrschen: Welchen Widerstand hat ein Kabel und wie viel Watt verträgt ein Stromkreis, bevor die Sicherung rausfliegt? „Wir hören öfters, unsere Projekte seien zu dunkel“, berichtet Simon von seinen bisherigen Erlebnissen bei „Kronach leuchtet“. „Aber es geht ja nicht darum, den größten Strahler hinzustellen, sondern dem Auge die Möglichkeit zu bieten, etwas zu entdecken.“

© Fotos: Michael Hüttner (1) / Marco Meißner (2,3,10) / Kronach leuchtet Pressematerial (4,12) / Teresa Hirschberg (5,6,7,8) / Falk Bätz (9) / Marian Hamacher (11)

KURZGEFASST

Lichtfestival „Kronach leuchtet“

Was? Zehn Nächte dauerndes Lichterfest mit Führungen und Konzerten

Wann? 26.4. bis 5.5.2019, immer ab 19.30 Uhr

Frankenfeeling-Tipp: Führung „Folge dem Licht“ mit Dozent Michael Müller, Start in der Kronachallee