– Mit eigenen Texten auf die Bühne –

Spätestens seitdem Julia Engelmann, eine deutsche Poetry-Slammerin und Musikerin, mit ihrem Auftritt beim fünften Bielefelder Hörsaal-Slam mit ihrem Vortrag „One Day/Reconing Song“ bekannt wurde, sind Poetry-Slams sehr beliebt. In vielen Städten, wie Nürnberg, Erlangen und auch Bamberg, werden Poetry Slam-Events angeboten. Ob es sich lohnt, zu einem Slam zu gehen, habe ich (Theresa) für euch bei „Bamberg ist Slamberg – Poetry Slam“ ausprobiert.

Bamberger Poetry Slam: Worum geht’s?

An jedem Abend treten in Bamberg sechs Poetry-Slammer aus dem deutschsprachigen Raum auf und tragen ihre selbstgeschriebenen Texte vor. Zusätzlich haben mutige Poeten aus der Region die Möglichkeit, sich noch spontan in der offenen Liste einzutragen, um ihre Gedanken und Erlebnisse auf der großen Bühne mit dem Publikum zu teilen.

Von den Themen her sind die Slammer völlig frei. Dafür hat jeder von ihnen insgesamt sieben Minuten Zeit und wird dann schließlich von einer, aus dem Publikum ausgewählten, Jury bewertet. In drei Durchgängen wird der Gewinner des Abends ermittelt. Durch ihren Applaus haben im Finale alle Zuhörer wieder die Möglichkeit, ihren Sieger des Abends zu küren.

Poetry-Preis: „I love Bamberg“-Tasche

An diesem Abend ist der Preis für die beste Slammerin oder den besten Slammer eine rote Tasche mit dem Schriftzug „I love Bamberg“, in der sich neben einigen Schnulz- und Ärzteromanen eine kleine Kuchenform und ähnlicher Schnick-Schnack befinden. „Ich habe mir besonders viel Mühe bei der Auswahl im Tedi gegeben“, erklärt Christian Ritter und erntet einen Publikumslacher.

Lockere Moderation

Christian Ritter beginnt seine Moderation mit den Worten: „Ihr dürft jetzt ausrasten.“ Nach einer kurzen Erklärung für diejenigen, für die es der erste Poetry Slam ist, wird die Jury aus dem Publikum ausgewählt. Die Themen, über die die Künstler slammen, könnten nicht unterschiedlicher sein. Gute Musik bringen DJ Käpt’n Karacho und der Künstler Robert Alan auf die Bühne. Der Salzburger Ksafa Wienerroither erzählt in überspitzter Weise von einem Sonntags-Einkauf in einem 24-Stunden-Shop. Am Ende kommt es dabei sogar zwischen Plastiktüten- und Stofftaschenträgern zum Kampf. Für eine moderne Gedicht-Analyse hat sich Raphael Breuer aus Bayreuth entschieden: Er untersucht Rihannas Pop-Song „Diamonds“ mit dem Ergebnis, dass das Lied aufgrund falscher Logik, eine Warnung vor Drogenkonsum ist.

Für mehr Slammer-Selbstliebe

Wie läuft eigentlich das Auswahlverfahren an Schauspielschulen ab? Felin Schnee aus München, der sich an einigen Schauspielschulen beworben hat, erzählt von seinen Erlebnissen, dem Druck und den Bewertungen an den Schulen. Veronika Rieger aus Berlin, thematisiert den Rechtspopulismus anhand eines Treffens mit einem ehemaligen Schulkollegen, den sie aufgrund seiner politischen Überzeugung nicht mehr wiedererkannt hat. Und Luise Komma Klar, ebenfalls aus Berlin, ruft in ihrem Text „Hey Sexy“ zu mehr Selbstliebe und Selbstpflege auf.

Am Ende ziehen Veronika Rieger und Luise Komma Klar ins Finale ein. Nachdem sie ihre beiden letzten Texte vorgetragen haben, kommt es zur Entscheidung und jetzt darf, neben der Jury, auch der Rest des Publikums wieder bewerten. So wie mir geht es wohl auch den anderen: Sich zwischen den beiden Slammerinnen zu entscheiden, fällt sehr schwer. Christian Ritter unterhält sich nach dem Applaus-Battle für die beiden Künstlerinnen kurz mit seinen Teamkollegen und verkündet das Ergebnis: „Da euer Applaus bei beiden sehr laut war, gibt es heute zwei Gewinnerinnen.“ Darüber freuen sich nicht nur die beiden Künstlerinnen, sondern auch der Rest des Publikums. Die zwei Berlinerinnen gewinnen die rote Tasche mit dem weißen „I love Bamberg“-Logo und teilen sich den interessanten und leicht verrückten Inhalt.

Frankenfeeling-Fazit: Pure Poetry-Vielfalt

Poetry Slams sind Geschmackssache. Ich finde sie super und durch die verschiedenen Slammer und ihre Texte kann man schnell neue Leute kennenlernen. Die Themen sind mal ernst oder mal unterhaltsam und lustig – hier dürfte für jeden etwas dabei sein! Und in einigen der Anekdoten kann man sich selbst wiedererkennen, bekommt neue Inspiration und Motivation. Und vielleicht hat danach auch der ein oder andere Lust, selbst zu schreiben, um bald auf der Bühne zu stehen.

KURZGEFASST

„Bamberg ist Slamberg – Poetry Slam“

Eintritt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro (Studierende, Schüler, Azubis, etc.)