Über den Wipfeln des Steigerwaldes – Top oder Flop?

Muss man den Baumwipfelpfad im Steigerwald gesehen haben? 

Über den Wipfeln… eieiei… muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…

Wie grenzenlose Freiheit wirkt die beeindruckende Aussicht hoch über den Baumwipfeln des Steigerwaldes tatsächlich. 42 Meter über dem Waldboden erstreckt sich der Turm des Baumwipfelpfades in Ebrach im Kreis Bamberg. Ein Weitblick über Ober- und Unterfranken, der sich definitiv lohnt. Und dennoch wird mein Fazit zu einem Besuch des Baumwipfelpfades eher spärlich ausfallen. Warum? Dazu später mehr…

Zunächst einmal der Reihe nach. Es war einer dieser superschönen Herbst-Sonntage im Oktober. Strahlend blauer Himmel, keine Wolken und wärmende Sonnenstrahlen. Fast schon wie im Sommer. Mein Freund und ich beschlossen einen kleinen Sonntagsausflug zu machen. Doch wohin? Nach kurzem Überlegen und mit einem Blick auf die hübschen bunten Blätter an den Bäumen, war das Ziel „Baumwipfelpfad in Ebrach“ beschlossen. Der Pfad stand schon länger auf unserer „Must-see“-Liste und jetzt war es also soweit. Start in Bamberg – Ziel in Ebrach. Rund 38 Kilometer und eine dreiviertel Stunde später erreichten wir den Steigerwald im Landkreis Bamberg.

Ist das voll hier…

Dass wir nicht die Einzigen waren, die an besagtem Sonntag den Baumwipfelpfad als Ausflugsziel hatten, wurde uns schnell klar. Der große Parkplatz am Baumwipfelpfad war rappelvoll – die vielen Leute auf der Suche nach einem freien Parkplatz gestresst. Um ehrlich zu sein, verging mir zu diesem Zeitpunkt schon ein bisschen die Lust. Ich stehe ja eh nicht so auf dichtes Gedränge und Menschenmassen. Zum Glück gibt es noch einen weiteren Parkplatz. Dafür muss man auf der gegenüberliegenden Straßenseite in den Wald hineinfahren. Aber auch hier bot sich uns das gleiche Bild. Alles voll. Erst ziemlich weit im Wald wurden wir fündig und stellten das Auto ab.

Von hier waren es schließlich knapp 20 Minuten, ehe wir überhaupt am Eingang des Baumwipfelpfades ankamen. An sich kein Problem, so gehe ich eigentlich ganz gerne im Wald spazieren. Ich liebe das Knacken und Rascheln unter meinen Füßen, wenn ich auf Ästchen und Blätter trete. Doch es sind wieder die vielen anderen Leute, die mich stören. Gefühlt sind es tausende Kinder, die zusammen mit ihren Familien unterwegs sind, und Wanderer mit ihren Stöcken. Am Eingang angekommen reihen wir uns brav in eine der langen Schlangen ein. Zwei Kassenhäuschen haben geöffnet und fertigen die Besucherscharen ab. Wir blechen jeweils 10 Euro und dürfen rein.

Ganz schön happig, da sind wir uns einig. Aber gut, vielleicht lohnt es sich ja. Immer schön optimistisch bleiben. Und so folgen wir der Besuchermasse. Man befindet sich direkt einige Meter über dem Waldboden. Der Weg aus Holzbrettern wirkt sicher und ist mit jeglichem Schuhwerk zu meistern. Durch seine maximale Steigung von sechs Prozent ist der Pfad übrigens auch bestens für Rollstuhlfahrer und Kinderwägen geeignet. Von beiden sehen wir an diesem Tag einige. Hier und da gibt es Schilder, die die Flora und Fauna des Waldes erklären. Außerdem insgesamt drei „Abzweigungen“ vom normalen Weg mit einer Art Hindernis. Die Betreiber des Baumwipfelpfades nennen diese Abzweigungen „Spielstationen“, bei denen man seine Balance unter Beweis stellen kann. Anstellen wollte ich mich dafür allerdings nicht. Zu lang war mir die Schlange aus Kindern und deren Eltern. Also ging es weiter auf dem „normalen“ Pfad.

Und plötzlich stand er da. In seiner vollen Pracht. Der Turm des Baumwipfelpfades. Cool sieht er schon aus. Von der ersten Etage sieht man perfekt auf das darunter liegende Rot- und Rehwildgehege. Ein wahrer Besuchermagnet. Etliche Menschen bleiben hier stehen – beobachten und füttern die Hirsche und Rehe. Mit ein wenig Kleingeld kann man Futter aus einem Automaten käuflich erwerben und dann über eine Art Rutsche zu den hungrigen Tierchen „schicken“. Nach oben geht es dann im Kreis von Etage zu Etage. Mitten durch die bunten Baumkronen des Steigerwaldes.

Tolle Aussicht – mehr nicht

Oben angekommen beeindruckt, wie eingangs bereits erwähnt, die Aussicht. Wow! So weit sieht man nicht jeden Tag. 42 Meter über dem Waldboden und noch einige Meter über den Baumwipfeln ermöglichen einen imposanten Weitblick. Doch leider lässt sich die Aussicht nicht wirklich genießen. Überall drängen sich die Besucher und knipsen Fotos. Nachdem ich selbst ausreichend Fotos geschossen habe, machen wir uns auf den Weg nach unten. Der „Abstieg“ geht relativ schnell – etwas Neues zu sehen gibt es ja nicht mehr.

Direkt nach dem Ausgang befindet sich ein kleiner Streichelzoo. Süß! Jede Menge Hasen, Schafe und Ziegen. Doch auch hier das gewohnte Bild. Jede Menge Kinder und deren Eltern streicheln und füttern was das Zeug hält. Noch ein kurzer Fußmarsch durch den Wald und schon kommen wir, wie schon auf dem Hinweg, am Restaurant und Shop des Baumwipfelpfades vorbei. Wir gönnen uns zum Abschluss noch jeweils ein Stück Kuchen und ein Getränk und werden nochmal 9 Euro los – Kantinenatmosphäre inklusive.

Fazit

Eine tolle Aussicht, keine Frage. Und das hat sich auch mal gelohnt, zu sehen. Aber insgesamt sind wir zu zweit 29 Euro losgeworden. Jeweils 10 Euro für den Eintritt und 9 Euro für zwei Stücke Kuchen und zwei Getränke. Für einen Ausflug, der insgesamt nicht länger als zwei Stunden gedauert hat, ist mir das definitiv zu teuer. Muss man den Baumwipfelpfad im Steigerwald also gesehen haben? Ich antworte mal mit „jein“. Als einmaligen Ausflug kann ich das Ganze schon empfehlen. Aber nochmal? Wohl eher nicht. Höchstens zu einer anderen Jahreszeit und schon gar nicht mehr an einem Sonntag. Es waren mir schlichtweg viel zu viele Leute dort.

Alle Informationen zu Eintrittspreisen und Öffnungszeiten findet ihr hier: http://www.baumwipfelpfadsteigerwald.de/

KURZGEFASST

Baumwipfelpfad in Ebrach im Steigerwald

1150 Meter Pfad, 26 Meter Pfadhöhe, 42 Meter Turmhöhe

Öffnungszeiten: 1. April bis 4. November: 9 bis 18 Uhr
17. November bis 31. März: 10 bis 16 Uhr (allerdings auch witterungsbedingte Schließungen aus Sicherheitsgründen möglich)

Für Jung und Alt geeignet, Tiere allerdings nicht erlaubt

Eintritt für Erwachsene: 10,00 €