Bouldern bei den Blockhelden in Bamberg

– Oder: Sicher klettern ohne Gurt –

Bouldern kann ja wohl bitte nicht so schwer sein. Auf einen Baum klettern zum Beispiel kann jedes Kind, früher habe ich das auch sehr gerne gemacht, da werde ich ja irgendwie eine Wand mit bunten Schraubgriffen erklimmen können. Kinderleicht, so sieht das Treiben in der gut besuchten Halle auf den ersten Blick nämlich aus.

Theresa und ich (Mirjam) haben uns bei den Blockhelden in Bamberg für eine einstündige Einführung in die immer beliebter werdende Sportart angemeldet. Wir möchten gerne wissen, was das Bouldern ausmacht, was man dabei richtig machen und was man lieber vermeiden sollte, vor allem aber, ob es Spaß macht.

Bouldern, das bedeutet Klettern auf Absprunghöhe. Ohne Sicherung oder Gurte, denn der Boden ist mit weichen Schaumstoffmatten ausgepolstert. Zusammen mit drei anderen Interessierten lassen wir uns von Dima, unserem persönlichen Coach für die nächste Stunde, die wesentlichen Merkmale des Boulderns erklären.

Kleine, enge Schuhe?

Die einzig benötigte Ausrüstung sind Kletterschuhe, die bei den Blockhelden auch in allen Größen zu verleihen sind. Möglichst eng, möglichst eine Nummer zu klein sollen sie sein. Das tut nach etwas Zeit in der Halle zunehmend weh. So muss sich Aschenputtel gefühlt haben! Oder merkt man hier einfach nur meinen Anfängerstatus? „Durch die engen Schuhe ist der Fuß dauernd gespannt und gekrümmt, dadurch könnt ihr euch besser auf kleinen Tritten halten“, rechtfertigt Dima die Einschnürung der Füße.

Der flexible Schuh und eine kleine Bürste, das sind auch die beiden Symbole auf dem Logo der Blockhelden. Beides ist wichtig, wenn man sich verbessern will. Das merken wir auch, als wir uns an eine Wand wagen, an der es nicht darauf ankommt hoch, sondern vielmehr die Wand entlang zu kommen und dabei die Balance zu halten. Ein Sportler, der vor uns noch dran ist, bekommt von einem Kollegen extra den Tritt mit einer kleinen Bürste freipoliert. Für den Halt auf den Schraubgriffen kann schon ein bisschen Magnesium weniger einen Unterschied machen und zeigt für mich nur die Perfektion, die man beim Bouldern an den Tag legen kann.

Bei den Blockhelden in Bamberg lässt sich inzwischen auf zwei Ebenen trainieren. Die leichteste Variante ist der gerade Weg nach oben. Aber es gibt noch viel mehr zu erkunden. Die eingebauten Rundbögen, die wie geometrische Felsformationen wirken, ermöglichen auch das Bouldern am Überhang. Im oberen Bereich lassen sich vor allem die Arm- und Fingermuskulatur speziell trainieren.

Von den Farben leiten lassen

Um zu wissen, welcher Weg einen nach oben führt, steht jede Farbe der Schraubgriffe für eine andere Schwierigkeitsstufe. Blau sind die leichtesten Pfade, von dort aus lässt es sich über orange, grün, grau, braun und rot bis zum gelben Schwierigkeitsgrad trainieren. „Wenn ihr regelmäßig trainiert, also ein bis zweimal die Woche, dann könnt ihr rot in etwa einem Jahr schaffen“, macht uns Dima Mut.

Für uns kommen heute aber nur die Anfängerfarben in Frage. Der Reihe nach erklimmen wir erst einige blaue, dann ein paar orangefarbene Pfade. Die Tritte sind verschieden geformt. Rauh fühlen sich die Griffe unter den Händen an, sorgen dadurch aber für guten Halt. Sogar an den Überhang wagen wir uns, denn unser Coach gibt uns wertvolle Tipps, die tatsächlich mehr Kräfte aus mir herausholen, als ich sie dort geglaubt habe.

So komme ich durch seine Tipps, wie ich Beine und Arme zugleich sinnvoll einsetzen kann, sogar bis zum vorletzten Tritt, bevor ich mich mit einem Luftausstoß zurück auf die Matte fallen lasse.

Auf die Technik kommt es beim Bouldern besonders an, und die lässt sich auch anhand der einfachen Wege trainieren. „Den Körper eindrehen, für einen sicheren Stand der Beine sorgen, das macht das Weiterkommen einfacher“, erklärt Dima. „Euer Muskelgedächtnis merkt sich nach ein paar Mal genau, was zu tun ist.“

In vielerlei Hinsicht vorteilhaft

Anschließend probieren wir uns selbst noch aus. Obwohl viele andere an diesem Abend auch in der Kletterhalle sind, die meisten von ihnen zudem schon richtig gut sind, habe ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, als Anfängerin belächelt zu werden. Im Gegenteil, ich komme mir eher vor wie Teil einer Gruppe, die sich gegenseitig unterstützt.

Was man beim Bouldern vielleicht nicht auf den ersten Blick sieht: Die Bewegungen trainieren Muskelgruppen, deren Existenz man vorher bei sich selbst nicht unbedingt gekannt hat (das merke ich auch am Muskelkater in Rücken und Unterarmen am nächsten Tag. Und am übernächsten). Vor allem aber wird der ganze Körper mit einbezogen und es setzt geradezu Glückshormone frei, ihn durch die eigene Kraft weiter nach oben bringen zu können.

Die Einführung bei den Blockhelden ist für Anfänger genau richtig, um zu verstehen, worauf es ankommt. Besonders schön kann das freie Klettern auch in der Gruppe sein. Denn an der gemütlichen Theke im Eingangsbereich kann man in den Ruhepausen (die sind wichtig für die Übung!) in aller Ruhe einen Kaffee trinken und sich unterhalten, bis die Kraft wieder da ist. Kraxeln und klönen  – dafür sind die Blockhelden optimal.

KURZGEFASST

Bouldern bei den Bamberger Blockhelden

Öffnungszeiten? 9 – 23 Uhr

Preise? ab 15 Uhr 9,90 Euro (ermäßigt 8,90), Leihschuhe gibt es für 3,50 Euro

Für Ambitionierte bietet sich eine Mitgliedschaft für 45,90 Euro im Monat an. Einführungskurse sind kostenlos, lediglich der Eintritt ist zu bezahlen.

Wo? in Bamberg: Memmelsdorferstraße 211, in Erlangen: Weisendorfer Straße 18