– Weg vom Kiffer-Image – hier ist alles legal –

Eine Mischung aus Hanfapotheke, Café und Cannabis-Social-Club. So bezeichnet Lukas Schwarz das Konzept seines „Cannameleons“. In Würzburg hat der 26-Jährige am 26. Januar 2019 Deutschlands erstes Cannabis-Café eröffnet. Und der Andrang war enorm. Lukas Schwarz und sein Team, das derzeit aus seiner Ehefrau und einem weiteren Mitarbeiter besteht, haben mit ihrer Idee zu Deutschlands erstem „Kaffee- und Gesundheitsshop“ offenbar genau den Nerv der Zeit getroffen. Eine Zeit, in der immer wieder über die Legalisierung von Cannabis diskutiert wird.

Cannabis als alternatives Heilmittel

„Ich beschäftige mich schon sehr lange mit alternativer Medizin“, erklärt Lukas Schwarz. „Da kommt man an Cannabis natürlich nicht vorbei“. Produkte aus der Hanfpflanze sind uralte Heilmittel und das soll endlich in den Köpfen der Leute ankommen. Diese Ansicht vertritt der gelernte Krankenpfleger ganz deutlich. „Es gibt einen großen Unterschied zwischen Nutzhanf, medizinischem Hanf und berauschendem Hanf“, so der junge Unternehmensgründer. Mit viel Unterstützung von seiner Familie und sehr viel Herzblut fasste der 26-Jährige im vergangenen Jahr den Mut die Idee des „Cannameleons“ in die Tat umzusetzen. Zusammen mit seiner Frau entstand ein echtes Familienunternehmen, für das Lukas Schwarz gerne das „Gesicht“ ist.

Der Gründer des Start-Ups packte selbst viel an, um das alte Bäckereigebäude im Würzburger Stadtteil Grombühl nach seinen Vorstellungen umzubauen. Monatelang wurde gewerkelt. Der Schweiß lief. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Außenfassade erstrahlt in neuem Glanz – über dem großen Schaufenster thront ein Chamäleon mit einem Hanfblatt. Wie passend. Übrigens: Ein echtes kleines Zwergchamäleon namens John können Besucher  auch bestaunen. Die Wände im Inneren des Ladens sind hanfgrün gestrichen, drei Sitzgruppen laden zum gemütlichen Kaffeetrinken ein. Und dann wäre da noch die Lounge. Die Besonderheit des „Cannameleons“. Hier dürfen Patienten medizinisches Cannabis konsumieren.

Cannabis-Konsum in abgetrenntem Raum

Lukas Schwarz will Schmerzpatienten den Konsum auch außerhalb der eigenen vier Wände ermöglichen. Und das wird bereits in der kurzen Zeit nach der Eröffnung schon sehr gut angenommen, versichert Schwarz und freut sich. Doch entgegen der Vorstellung vieler wird hier kein Gras geraucht. Mittels eines Vaporizers dürfen Patienten ihr Cannabis in der Lounge vaporisieren. „Dabei wird das medizinische Cannabis nicht verbrannt, sondern auf eine bestimmte Temperatur erhitzt“, erklärt Schwarz. „Das ist dann optimal für die Gesundheit“. So entsteht dann auch kein Rauch, sondern Dampf, der von den Cannabis-Patienten ganz legal konsumiert wird.

Der Bereich wird während des Vaporisierens von einer Schiebetür aus Glas verschlossen. Was allerdings nicht bedeutet, dass dort „geschlossene Gesellschaft“ ist. Lukas Schwarz betont, dass sich Jeder zu jeder Zeit frei im Laden bewegen darf. Doch wer jetzt denkt, dass Schwarz und sein Team vor Ort medizinisches Gras anbieten, der irrt. Das müssen sich Schmerzpatienten selbst mitbringen. „Die zeigen dann einfach kurz ihr gültiges Rezept und ihren Personalausweis vor“, so der Gründer. „Wir stellen dann kostenlos einen großen Vaporizer zur Verfügung, da sich den viele nicht leisten können“.

Das Interesse an Cannabis-Produkten ist groß

Ob Hanfmehl, Hanfsamen, Hanföl oder Produkte mit dem Wirkstoff Cannabidiol (CBD) – das Interesse der Kundschaft ist geweckt. Zahlreiche Leute tummeln sich in den neuen Räumlichkeiten in der Brücknerstraße. Lukas Schwarz und sein erster Mitarbeiter Ivo Spielvogel haben allerhand zu tun. Über individuelle Beratungen, Kaffeekochen und Kuchenservieren – hier bekommt Jeder, wofür er sich interessiert. Nur eben kein Cannabis. „Klar hat hier auch schon mal jemand danach gefragt, ob wir nicht was hätten“, sagt Ivo Spielvogel. Aber eigentlich hätten die Leute schnell realisiert, dass es hier um Gesundheit geht, so der 30-Jährige.

Ivo Spielvogel hat einen „Scheuermann“ und  leidet seit Jahren unter schlimmen Rückenschmerzen. Ihm hilft CBD zur Behandlung. Doch bis dahin war es ein langer Weg. Auch deshalb ist es dem Mitarbeiter des „Cannameleon“ wichtig, dass die Aufklärungsarbeit zu medizinischem Cannabis und allen Produkten, die sich aus dem Heilmittel Hanf herstellen lassen, voranzutreiben.

Aktueller Verkaufsschlager, wenn man das nach zwei Tagen nach Eröffnung so nennen kann, sind übrigens die Tees aus Nutzhanfblüten. Diese gibt es im „Cannameleon“ aktuell in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen und haben – so wie es das Gesetz will – weniger als 0,2 Prozent THC-Gehalt.

Wie geht es weiter mit dem „Cannameleon“?

Auf die Frage, wo sich Lukas Schwarz mit seinem „Cannameleon“ in fünf Jahren sieht, muss der Gründer nicht lange überlegen. In mindestens zehn Wunsch-Städten in Deutschland will sich Schwarz als Franchise-Unternehmen etablieren. Mit drei konkreten Städten steht Schwarz tatsächlich schon in Verhandlungen. Aber: „Unsere Ansprüche sind sehr hoch und die muss ein Bewerber erst einmal erfüllen“, so Schwarz.

In zehn Jahren sieht sich der Jungunternehmers selbst als großer medizinischer Cannabis-Hersteller, um sein eigenes medizinisches Cannabis in seinem Shop anbieten zu können. „Das ist mein großer Wunsch, ja“.

Fazit:

Die Berichterstattung im Vorfeld der Eröffnung war enorm und so konnte ich (Dunja) mir es natürlich auch nicht nehmen lassen, mal im „Cannameleon“ vorbeizuschauen. Ohne große Erwartungen und vor allem ohne großes Vorwissen zum Thema Cannabis war ich vor Ort positiv überrascht. Man hat Lukas Schwarz und seinem Team angemerkt, dass es sich bei der Geschäftsidee des Cannabis-Cafés um eine Herzensangelegenheit handelt. Keine Frage war unpassend oder „dumm“ – Jeder, der zu dieser Zeit im Laden war, wurde individuell beraten. Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt, in welcher fränkischen Stadt es in naher Zukunft ein weiteres „Cannameleon“ geben wird. Denn, dass sich Lukas Schwarz ein Franchise-Unternehmen in Franken vorstellen kann, hat er nicht verneint. 😉

P.S. Wenn ihr noch eine Inspiration braucht, was ihr in Würzburg sonst noch so anstellen könnt, schaut doch mal bei Anna-Lenas Städtetrip vorbei!

KURZGEFASST

Cannameleon in Würzburg

Wo? Brücknerstraße 7, 97080 Würzburg

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 10 bis 20 Uhr, Samstag von 13 bis 22 Uhr