Fechten in Bamberg: Einmal wie Zorro kämpfen

– Einmal kämpfen wie Zorro –

In Filmen wie „Fluch der Karibik“ oder „Die drei Musketiere“ werden die Kämpfe zwischen den Kontrahenten noch klassisch mit Florett oder Degen ausgetragen. Was da noch sichtbar, aber schon ziemlich schnell ist, hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Ich (Theresa) habe mich beim TSG 05 in Bamberg in der Fecht-Abteilung mit Maske, Schutzkleidung und Florett ausrüsten lassen und war beim Training dabei. Rebecca war als mein Paparazzi und Motivations-Coach mit beim Fechten dabei.

Crashkurs Waffenkunde: Florett, Degen oder Säbel?

Nachdem Rebecca und ich der Kinder- und Jugendgruppe noch etwas zugesehen haben, nimmt sich Daniel, der sie unterrichtet, Zeit und erklärt mir einige Grundlagen. „Wie viel weißt du denn schon über das Fechten?“, fragt er mich. Ich wusste bisher nur das, was man eben im Fernsehen so sieht. Und, dass es laut Google drei verschiedene Waffen gibt. Und ein Video von einer Fechtmeisterschaft habe ich mir davor angeschaut, aber ich konnte nicht realisieren, was da genau passiert ist. „Das ist aber am Anfang normal, weil es wirklich ein sehr schneller Sport ist. Mir passiert das sogar jetzt noch manchmal“, beruhigt mich Daniel.

Dann geht es schon los mit der „Waffenkunde“: Zunächst gibt es da das Florett, mit dem auch die Fechter in Bamberg am meisten üben. „Mit dieser Stichwaffe fängt bei uns jeder an, weil man mit ihr sehr gut üben und die Bewegungsabläufe verinnerlichen kann“, erklärt mir Daniel. Typisch ist der sogenannte „Pistolengriff“, der an eine Pistole erinnert. Treffer können nur mit der Spitze erzielt werden. Gültige Trefffläche ist nur der Rumpf. Die Spitze löst einen Treffer aus, sobald sie mit einem Gegengewicht von 500 Gramm gegen die Brokatweste des Gegners, die mit Sensoren versehen ist, gedrückt wird.

Ebenfalls eine Stichwaffe: der Degen. Bei dem ist die Glocke, der Schutz vor der Hand, etwas größer als beim Florett. Weitere Besonderheit ist, dass dieser noch zusätzlich einen Bogen hat. Damit kann man gegnerische Stiche abwehren. Als Treffer gilt jede Berührung am ganzen Körper. Beim Säbel kommen schließlich noch Hiebe hinzu, mit denen man im Duell punkten kann. Gültige Treffer sind dabei alle Berührungen oberhalb der Gürtellinie.

Schwitzen beim Aufwärmtraining

Los geht es erst einmal mit einem kurzen Aufwärmtraining. Wir laufen ein paar Runden durch die Halle. Mal seitlich mit schwingenden Armen, mal werden die Füße dabei überkreuzt. Mal auf den Fersen, mal auf den Zehen. Schon da komme ich als Sportmuffel ziemlich ins Schwitzen. Bei den Dehnübungen bin ich dann wieder etwas besser dabei. Bis auf die Beine. Oder besser gesagt, beim In-die-Knie- Gehen und diese Position halten. Aber gerade das ist bei diesem Sport sehr wichtig.

Ein sehr seltsamer BH

Puh… Die Aufwärmübungen habe ich geschafft. Jetzt bekomme ich meine Ausrüstung. Neben einer Maske, Jacke und einem Handschuh erhalte ich noch etwas: einen sehr sonderbaren Plastik-BH, der meinen Brustbereich schützen soll. Der erinnert mich extrem an irgendwelche Roboter-Frauen aus Filmen. Jan, der mir alles gebracht hat, erklärt mir: „Der ist für Frauen vorgeschrieben. Man bekommt schon auch mal blaue Flecken.“ Ich habe normale Sportsachen an. Es gibt aber noch extra Fechthosen und –strümpfe. Unter den arm- und beinfreien Overall, der mich an einen Strampler für Kinder erinnert, zieht man immer noch eine Unterweste, die die Stiche abschwächt. Da ich heute aber noch kein richtiges Fecht-Duell erleben werde, komme ich heute ohne aus. Für Männer gibt es noch einen Tiefschutz, der aber freiwillig getragen werden kann.

Zur Vervollständigung der Ausrüstung gehört noch eine sogenannte Brokatweste, die mit Sensoren versehen ist. So werden dann die Treffer elektronisch durch das Körperkabel erfasst. Aber auch ohne die komme ich heute als blutiger Anfänger aus.

Mit der richtigen Haltung und Beinarbeit geht’s los

Knieprobleme darf man beim Fechten nicht haben. Das liegt daran, dass man bei der Grundhaltung bereits mit leicht gebeugten Knien steht. Und diese Position muss man halten. Das ist gerade am Anfang wirklich anstrengend und auch ich brauche immer wieder Pausen, um meine Beine auszuschütteln. Meine Beinmuskeln zittern ordentlich. Bauch-, Beine-, Po-Training braucht man da nicht mehr. „Dir werden morgen Muskeln weh tun, von denen du nicht einmal wusstest, dass du sie hast“, prophezeien mir Daniel und Jan lachend.

Bei der Grundhaltung befindet sich bei mir als Rechtshänderin, der linke Arm abgewinkelt mit der Hand am Ohr, hinter meinem Kopf. Mein linker Fuß steht zur Linie im rechten Winkel und mein rechtes Bein steht mit den Zehenspitzen nach vorne zu meinem Gegner. Ungefähr 50 Zentimeter stehen meine Beine auseinander, während sie leicht geknickt sind.

Und dann mache ich zunächst nichts anderes, als nach vorne und nach hinten zu gehen. Vorderer Fuß nach vorne, der hintere rückt nach, hinterer Fuß nach hinten, vorderer Fuß folgt. Und das alles ohne meine Grundposition zu verändern, wenn ich wieder stehe. So sonderlich gut klappt das für mich noch nicht, weil ich einfach die Grundposition noch nicht richtig drin habe: in den Knien bleiben, richtige Beinposition, der „Fechtarm“ etwas abgewinkelt und näher am Körper. Das wird noch eine Zeit lang dauern, bis ich das drin habe.

Treffen will gelernt sein

Dann darf ich aber doch noch „fechten“. Oder zumindest auf dem Trockenen üben. Ich muss feststellen, dass man sehr weit in die Knie und vor allem nach vorne zum Gegner muss, um ihn zu treffen. Außerdem muss man wirklich ziemlich kräftig zustechen. Wenn man dann mal trifft. Denn das habe ich mir auch leichter vorgestellt. Ehrlich gesagt, bin ich auch noch etwas schüchtern was das „Zustechen“ betrifft.

Fecht-Fazit:

Mir hat das Fechten wirklich Spaß gemacht. Es ist zwar am Anfang noch etwas anstrengend, aber ich denke, das wird in den nächsten Wochen besser, wenn ich regelmäßig beim Probetraining bin.

KURZGEFASST

Fechten in Bamberg

Wann? Mittwoch und Freitag von 20 bis 22 Uhr

Wo? Obere Turnhalle des Franz-Ludwig-Gymnasiums

Was kostet das? Die ersten beiden Schnupperstunden sind kostenfrei und eine Anmeldung ist nicht notwendig. Mitzubringen sind Hallenturnschuhe und normale Sportbekleidung. Bei weiterem Interesse gibt es ein zwei- bis dreimonatiges Probetraining für 30 Euro.

Infos? Gibt es bei dem ersten Abteilungsleister Oliver Kleinecke unter 0951-3018173 oder 0176-61521104.

Von |29. Januar 2019|Kategorien: Ausprobiert|Tags: , , , , , |