Fränkisch – tropisch – exotisch

– Zu Besuch im Tropenhaus in Kleintettau –

Es gibt eine hervorragende Nachricht für alle Frostbeulen unter Euch: Ihr werdet den Winter überleben! Tief im Frankenwald im letzten Zipfel des Kronacher Landkreises findet sich eine kleine Oase der subtropischen Temperaturen: Das Tropenhaus „Klein Eden“. Wir haben uns hoch in den Norden gewagt und bei einem Besuch in der Rennsteigregion direkt ausprobiert, was sich aus den fränkisch-tropischen Früchten so zaubern lässt.

Klein Eden im Frankenwald

Frucht ist das richtige Stichwort. Genau das passiert hier nämlich: Auf rund 3500 Quadratmetern erzeugt und erforscht das Team hier eine Vielzahl exotischer Früchte. Das Tropenhaus ist ein nachhaltiges Umweltprojekt – einen Großteil der verbrauchten Energie bezieht das Glashaus aus der Abwärme eines nahegelegenen Glasindustrie-Betriebs. Wärme tanken und dem Plätschern der Fischteiche lauschen geht hier quasi ganz ohne schlechtes (Öko-)Gewissen.

Wer will, kann sich noch weiterbilden. Das Team bietet naturwissenschaftliche Rundgänge und Gruppenführungen an. Das Tropenhaus ist nämlich in erster Linie kein Ausflugsziel, sondern Forschungseinrichtung. Theresa und ich bekommen eine kleine private Führung von Ralf Schmitt. Der 42-Jährige hat das Tropenhaus als Geschäftsführer mit aufgebaut – besser gesagt: mit eingepflanzt.

Er weiß genau, wo hier was wächst – welche Exemplare in dieser Saison gelitten haben und warum man so einige Exemplare auf dem Importweg aus fernen Ländern immer wieder im Zoll hängen bleiben.

Unnützes Tropenwissen

Eine Ladung unnützes Angeber-Wissen ist bei der Führung inklusive. Oder wusstet Ihr, woher die Passionsfrucht – also die Maracuja – ihren Namen hat? In den (nebenbei bemerkt ziemlich hübschen) Blüten der Frucht entdeckten die Jesuiten, die die Frucht nach Europa importierten, ein Symbol für das Leiden Christi – Passion Christi – Passionsfrucht, alles klar, oder?

Da wir nicht zur Bibelstunde gekommen waren, gab es natürlich auch eine kulinarische Einführung. Es hieß Schnuppern an aromatischen Kaffir-Limetten, Verkosten von verschiedenen Blüten und Blättern und Probieren von uns bis dato unbekannten Früchten. Schon mal was von der Surinam-Kirsche gehört? Der Geschmack ist kaum zu beschreiben: Süß, sauer, Mango, Paprika? Fazit: Unbedingt Ausprobieren!

Vom Tropenhaus in die Testküche

Mit unserem Motto „Ausprobiert“ sind wir bei Ralf Schmitt genau richtig. Er bezeichnet sich selbst als „kochenden Gärtner“. Unserer Meinung nach die Untertreibung schlechthin. Denn nach unserem Rundgang durch das wohlig warme Glashaus geht es mit ihm einen Stock höher in unsere Versuchsküche für diesen Tag. Die Mission:  Mit den Produkten aus dem Tropenhaus ein 3-Gänge-Menü zaubern. Die Ausbeute aus den fränkischen Tropen: Bolivianischer Wildchili, Kaffir-Limette, Papaya (reife und unreife), Bananen, Wasserspinat und Jackfrucht und ein frischer Nilbarsch aus dem Zuchtbecken im Tropenhaus. Die restlichen Zutaten kamen vom Lebensmittelhandel unseres Vertrauens.

Vorspeise: Zweierlei Papaya-Salat mit Garnelen

Zutaten für 4 Personen:

  • 1 grüne Papaya
  • 1 Handvoll Zuckerschoten
  • 1 Handvoll grüne Bohnen
  • 1 Handvoll Cherrytomaten
  • 2 Karotten
  • ½ gelbe Paprika
  • ½ rote Paprika
  • 10 Garnelen
  • Chilischote (mild, nach Geschmack)
  • 1 Knoblauchzehe, Austernsoße,  Sojasoße, Fischsoße, Chili- und Limettenöl
  • 2 TL Kokosblütenzucker (alternativ Rohrzucker), Salz, Maisstärke, Chiliflocken
  • Erdnüsse, Koriander und gelbe Papaya zum Garnieren

Zubereitung: 

  1. Paprika und Zuckerschoten in feine Streifen schneiden, Tomaten vom Strunk entfernen, entkernen  und vierteln. Bohnen klein schneiden, Knoblauch und Chili fein hacken. Karotten schälen und raspeln.
  2. Papaya schälen und vierteln, mit einem Löffel die Kerne entfernen. ¾ der Papaya grob raspeln. Das restliche Viertel fein raspeln, mit 2-3 Teelöffeln Limettenöl vermengen und beiseite stellen.
  3. Garnelen am Rücken mit einem spitzen Messer einschneiden und den dunklen Darmfaden entfernen, abspülen und trocken tupfen. Garnelen in Öl anbraten, mit Salz und Chiliflocken würzen, aus der Pfanne nehmen und abkühlen lassen.
  4. In Thailand verwendet man für die Zubereitung dieses Salates einen speziellen Tontopf und einem großen Holzstößel – alternativ tut es auch ein großer Topf und der gute, alte Kartoffelstampfer.
  5. Knoblauch, Chili,  jeweils 2 TL Austern-, Soja- und Fischsoße in den Topf geben und losstampfen. Nach und nach die anderen Zutaten zugeben und im Topf vermengen. Den Salat je nach Geschmack mit den Soßen oder etwas Limetten- und Chiliöl abschmecken. Die Garnelen hinzufügen.
  6. Auf einem Teller den gestampften Salat und den vorher schon marinierten feinen Papaya-Salat anrichten. Mit Erdnüssen, klein geschnittener gelber Papaya und nach Geschmack mit frischem Koriander anrichten.

Hauptspeise: Gebratener Nilbarsch, Mie-Nudeln  und Kokos-Wasserspinat 

Zutaten für 4 Personen:

  • 2 Nilbarsche im Ganzen (Alternativ: 4 Kabeljau- oder Pangasius Filets)
  • 2 Stangen Zitronengras
  • 1 Packung Mie-Nudeln
  • 5 Handvoll Wasserspinat (alternativ: junger Blattspinat)
  • 1 Dose Kokosmilch
  • 1 Glas Zitronengras-Pesto
  • Maisstärke, grobes Meersalz, Sojasoße

Für das Pesto: 

  • 50 g junger Blattspinat
  • 50 g Zitronenbasilikumblätter
  • 50 g Parmesankäse
  • 2 EL Pinienkerne
  • 100 ml Olivenöl
  • ¼ Teelöffel Salz

Zubereitung:

  1. Für das Pesto Spinat, Basilikum und Pinienkerne fein hacken, den Parmesan reiben. Alle Zutaten mit Olivenöl und Salz fein pürieren. Das Pesto hält sich im Kühlschrank circa 1-2 Wochen. Die Oberfläche sollte immer mit Öl bedeckt sein.
  2. Fisch abspülen und trocken tupfen, auf beiden Seiten die Haut alle 2-3 cm leicht einschneiden, mit groben Meersalz einreiben. Zitronengras leicht einschneiden und mit der Messerkante andrücken, in den Fisch (am besten durchs Maul) stecken. Fisch mit Maismehl bestäuben und von beiden Seiten scharf anbraten. Bei niedriger Temperatur jeweils ca. 10 Minuten auf beiden Seiten braten. Den Fisch aus der Pfanne nehmen und im Ofen bei circa 100 Grad warm stellen.
  3. Kokosmilch in einem Topf geben und aufkochen lassen. Wasserspinat waschen und die Blätter von den Steilen zupfen. In die Kokosmilch geben und 2-3 Minuten blanchieren.
  4. Nudeln nach Packungsanleitung zubereiten. In das kochende Wasser einen Schuss Sojasoße für mehr Geschmack geben. Nudeln mit dem Pesto vermengen.
  5. Fisch aus dem Ofen holen, die Haut entfernen und die Filets mit Nudeln und Spinat anrichten. Den Teller mit gelben Papayastreifen garnieren und je nach Geschmack den Spinat etwas nachsalzen.

Dessert: Frittierte Bananen mit Bananencreme und Kaffirlimetten-Soße

Zutaten für 4 Personen:

  • 4 sehr reife Bananen
  • 250 g Cashewkerne
  • Speisestärke
  • 2 Eiweiß
  • 2 (Kaffir-)Limetten
  • Zucker
  • Jackfrucht, gelbe Papaya oder anderes Obst

Für die Bananencreme:

  • 2 gefrorene Bananen
  • 100 ml Sahne
  • 1 Handvoll Eiswürfel

Zubereitung:

  1. Cashewkerne sehr fein hacken oder in einem Mörser zerkleinern. Bananen in vier mundgerechte Stücke schneiden. Restliches Obst in kleine Stücke schneiden, mit etwas Limettensaft beträufeln und beiseite stellen.
  2. Eiweiß steif schlagen. Die Bananen zunächst in der Speisestärke, dann im Eischnee wenden und mit dem Cashewmehl panieren und beiseite stellen.
  3. Für die Creme alle Zutaten in einen Mixer geben und so lange pürieren, bis eine cremige Masse entsteht.
  4. Die Bananen in Pflanzenöl frittieren, bis die Panade goldbraun ist. Auf einem Küchenpapier abtropfen  lassen.
  5. Für die Soße Limettensaft, Limettenabrieb, 5 EL Wasser und 3 EL Zucker in einem Topf erhitzen, bis eine zähflüssige Soße entsteht.
  6. Die Gebackenen Bananen auf der Creme anrichten, mit der Soße beträufeln und den Obstsalat dazu servieren.

Fazit: Ein weiter Weg, der sich lohnt

Kleintettau liegt natürlich nicht mal eben so auf dem Weg (wohin auch immer) – aber die Anfahrt hat sich definitiv gelohnt (schon allein wegen des leckeren Essens). Es ist einfach irrsinnig, wie Mitten im Frankenwald (Ihr wisst schon, Klein-Sibirien und so) ein kleine, tropische Oase entstanden ist. Das Projekt ist spannend und zu erfahren, was alles angebaut, verarbeitet und erforscht wird, auch ziemlich interessant. Und wie eingangs schon erwähnt: So schön warm!

Zugegeben: Wenn man nicht gerade einen privaten Kochkurs vom ehemaligen Chef persönlich bekommt, kann man kaum den ganzen Tag im Tropenhaus in Kleintettau verbringen. Führung und Besuch der (erst nach unserem Besuch neu eröffneten) Sonderausstellung mit allerlei Reptilien und Amphibien nehmen vielleicht 2 – 3 Stunden in Anspruch – durchstöbern des kleinen „Hofladens“ inklusive.

Aber hey – direkt vor der Tür gibt es ja auch noch Natur – diesmal aber die „richtige“ fränkische. Unser Tipp: Den Besuch im Tropenhaus mit einer netten Wanderung im Frankenwald verbinden. Und nicht vergessen: Frische Papaya und Co. einpacken und zuhause die leckeren Rezepte nachkochen.

KURZGEFASST

Tropenhaus „Klein Eden“ in Kleintettau

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 9 bis 16 Uhr (letzter Einlass), Samstag und Sonntag 10 bis 16 Uhr (letzter Einlass)

Eintrittspreise: Tageskarte für beide Häuser (Forschungshaus + Sonderausstellung, inkl. der öffentlichen Führungen): Erwachsener 12 Euro; Schüler, Jugendliche, Studenten und Schwerbehinderte 10 Euro

Von |13. Oktober 2018|Kategorien: Ausprobiert|Tags: , , , , |