– Anders ist gut –

Für manche das höchste der Gefühle, für andere ein komisch schmeckendes Traubensaft-Gemisch: Der Federweißer. Herrlich süß, prickelnd und fruchtig – so empfinde ich den Geschmack des typischen Herbstgetränks. Im Gegensatz zum Wein ist er trüb, nicht so rein und klar. Und er schmeckt auch gar nicht nach Alkohol, finde ich zumindest. Eher wie eine Traubeschorle, die zu lange in der Sonne gestanden hat. Aber auf eine seltsam gute Weiße… einfach lecker eben!

Man muss ihn schon selbst probieren, um sich ein Urteil bilden zu können. Dabei kann jede Flasche anders schmecken, als die vorherige. Wenn der erste Schluck also nicht so lecker war, dann holt euch nochmal ein Gläschen von einer anderen Flasche. Wieso das so ist, das lest ihr gleich. Was genau den Federweißen – nicht nur für mich – so besonders macht, darüber habe ich mit Winzer Max Martin vom Weingut Martin aus dem Landkreis Haßberge gesprochen.

Trauben„Ich bin anders als die anderen“

Federweißer wird zwar oft als „Jungwein“ bezeichnet, allerdings ist er eher eine „Vorstufe des Weins“. Er ist kein fertiger Wein, sondern Traubenmost, der aus den weißen Reben gepresst wird. Der süße Geschmack, die Kohlensäue und die Gäraromen geben ihm ein Alleinstellungsmerkmal im Weinregal.

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“

Der Federweißer ist der erste „Wein“ des Jahres. Die Frühsorten, also die Reben, die als erstes reif sind, werden auch als erstes gelesen – etwa zwei Wochen später erfolgt dann die richtige Weinlese.

„Willst du gelten, mach dich selten“

Der Federweißer ist nur etwa drei Wochen im Jahr, meistens im September, auf dem Markt erhältlich. Ist alles ausverkauft, heißt es dann wieder ein Jahr warten… Außer, es steht ein Hitzesommer an. Dann kann es den Herbstdrink schon im August geben. 

„Fürchte dich nicht vor Veränderung, sondern vor dem Stillstand“

Der Federweißer ist ein gärendes Produkt. Er reift stetig weiter, je länger er lagert, desto mehr verändert sich der Geschmack und der Alkoholgehalt. Je jünger die Flasche ist, desto süßer schmeckt der Federweißer. Schlecht werden kann er übrigens nicht, solange er gärt. Aber wenn er aufhört zu gären, wird daraus Wein, der normalerweise vor dem Verzehr geschwefelt wird. Das fällt hier ja weg, dann sollte man ihn also nicht mehr trinken.

„Die Prinzessin auf der Erbse“Häuschen im Grünen

Man könnte meinen, der Federweißer wäre ein wenig sensibel. Die Flaschen dürfen zum Beispiel durch den Gärprozess nie ganz geschlossen werden, sonst können sie platzen. Deswegen darf man sie beim Transport und bei der Lagerung keinesfalls hinlegen oder schräg stellen! Also lieber nicht so schnell in die Kurve fahren. Zu Hause angekommen gibt es aber auch einiges zu beachten…

Er kann nämlich nicht wie andere Weine wochen-, monate- oder gar jahrelang gelagert werden. Ein Federweißerliebhaber sollte deshalb nicht direkt auf Vorrat lagern, sondern alle paar Tage mal wieder eine neue Flasche kaufen. Und: Wer seinen Federweißer gerne kühl genießt, sollte ihn höchstens einen Tag vor dem Trinken in den Kühlschrank stellen. Bei Temperaturen unter sieben Grad stirbt nämlich die Hefe ab oder arbeitet schlechter, sodass der Gärprozess gestoppt wird.

KURZGEFASST

Federweißer

Ganz Franken
Weinspezialität
Gibt es ab September