– Das landet jetzt auf fränkischen Tellern: Bier im Eis und Chips zum Burger –

Zielstrebig flitzte das Hipster-Mädchen mit dem pastellrosa Haarschopf die Treppe hinauf, vorbei an der stillenden Mutter mit entblößter Brust und dem Bier entgegen. Unterschiedlicher hätte das Publikum in der Bayreuther Brauerei Maisel an diesem Wochenende wohl nicht sein können. Das dazugehörige Restaurant „Liebesbier“ hatte zum ersten Arts & Crafts-Festival geladen: Zwei Tage lang konnten Besucher die neusten Trends der Foodbranche ausprobieren – oder sich zwischen zwei Gängen spontan ein Tattoo stechen lassen. Das Genuss- und Lifestylefest war nämlich nicht nur Treffpunkt für lokale Restaurants, Cafés, Manufakturen und Brauereien, sondern gleichzeitig Tattoo-Studio, Lettering-Atelier und Bastelwerkstatt. Im bunten Festivaltreiben sind wir auf die Suche nach den neuesten kulinarischen Trends gegangen. Diesen drein konnten wir nicht widerstehen:

Bayreuther „Eisbar“: Blutorange trifft Weizen-Ale

Der Stand der Bayreuther „Eisbar“ im schwarz-weißen Retro-Look war geographisch besonders günstig platziert:  Direkt am Eingang der Ausstellungshalle gelegen, lockte er die Gäste sofort an. Speziell für das Arts & Crafts-Festival hatten die Eiskonditoren Oli Hoyer und Simone Wedlich eine kleine Auswahl ihres kalten Angebotes mitgebracht und sogar zwei neue, limitierte Sorten kreiert. Die entstanden in Kooperation mit der Brauerei Maisel und deren „Citrilla“-Bier, einem Weißbier mit Zitrusnote. Die Eis-Version dazu gab es mit Heidelbeere oder Blutorange und blieb aufgrund ihres Alkoholgehaltes den erwachsenen Festivalbesuchern vorbehalten. Die Kugeln schmeckten zwar nicht besonders bierintensiv, aber wie ein eiskaltes Glas Prosecco zum Auslöffeln. Chef Oli Hoyer ist zum Start der neuen Eissaison experimentierfreudig aufgelegt: In der „Eisbar“ gibt es in diesem Sommer beispielsweise eine neue Kombi aus Vanille und Zitronenkuchen.

KURZGEFASST

Citrilla-Eis in der Bayreuther „Eisbar“
Wo? Maximilianstraße 22, 95444 Bayreuth
Was? Fruchteis mit Heidelbeere, Blutorange und India Pale Ale

Steiner „Manufaktur der feinen Noten“: Chips made in Franken­­

Am Buffet der Steiner „Manufaktur der feinen Noten“ stachen sie neben Amuse-Gueules und Desserts sofort heraus – die Kartoffelchips made in Franken, serviert in einer Pommestüte. Ihre Gäste möchten gesund und regional essen, sich aber auch mal einen Fast-Food-Klassiker gönnen, erzählte Geschäftsführerin Edda Schnödt. Die selbstgemachten Chips hätten inzwischen sogar den klassischen Burger-Begleiter von der Speisekarte verdrängt. „Wir machen keine Pommes mehr, weil die Leute zum Burger viel lieber Chips essen.“ Doch Chips-Hobeln will gelernt sein: Wie bei einem guten Stück Fleisch sei es wichtig, die Kartoffeln richtig zu schneiden, erklärte Edda Schnödt. Sonst würden die Chips beim Frittieren nicht richtig aufpoppen. Sie überlege nun, den Snack auch in Tüten einzuschweißen und zu verkaufen. Dann könnte die Steiner Variante von Pringles und Co. sogar beim Tatort-Schauen auf der Couch geknabbert werden.

KURZGEFASST

Steiner Chips von der „Manufaktur der feinen Noten“
Wo? Hauptstraße 58, 90547 Stein
Was? selbstgemachte fränkische Chips

„Finne“: Münsteraner Bio-Craft-Beer mit Bamberger Malz

Der „Finne“ fiel trotz der üppig-süffigen Bierkonkurrenz auf dem Arts & Crafts-Festival sofort auf: Wer Skandinavien im Namen trägt und mit Vollbart im Gesicht und Tattoos an den Armen Craft-Beer ausschenkt, muss einfach hip sein, oder? Das Startup hatte seine Bierfässer auf Einladung der Brauerei Maisel den weiten Weg von Münster nach Bayreuth gerollt. Auch die Craft-Brauer hatten extra für das Festival einen neuen Trunk angesetzt: „Finne“-Mitarbeiter Sascha Schlemermeyer empfahl die Sorte „Tri Nations“. „Das schmeckt knochentrocken, mit einer sehr fruchtigen Note im Abgang“, fachsimpelte er. „Ein super süffiges und dabei schlankes Bier.“

Die Jungs aus Münster schwören auf das sogenannte Gypsy-Brauen, also das Einmieten in größeren, etablierten Brauereien. „Kuckucksbrauen sagt man auch dazu“, verriet Sascha Schlemermeyer, dessen Team sich dafür in Franken bei der Brauerei „Göller“ in Zeil am Main „einnistet“. Das Vorgehen sei vor allem bei jungen Unternehmen beliebt, denen das Kapital für eine eigene Brauerei noch fehlt. Das Malz für das Münsteraner Craft-Beer stammt von Weyermann aus Bamberg. „Aber das ist ja das Schöne an der Craft-Beer-Szene“, meinte Schlemermeyer. „Da braut man eben auch mal zusammen ein Bier.“

KURZGEFASST

Bio-Craft-Beer von der „Finne“-Brauerei
Wo? Kerßenbrockstraße 8, 48147 Münster (brauen bei „Göller“ in Zeil am Main)
Was? Bier-Kreationen „Sir Nelson“ und „Tri Nations“