„Ganz schön eklig!“ im Tiergarten Nürnberg

– Hui oder Pfui? Die Ekel-Ausstellung im Nürnberger Zoo –

Plötzlich riecht es ganz schrecklich nach Furz. Verschämte Mienen, betretenes Schweigen. Ist das jetzt Teil der Ausstellung oder kann mal kurz jemand durchlüften? Hinter den Löwen-Toren des Nürnberger Tiergartens, gleich links den Berg hoch, bevor es weiter zu Totenkopfäffchen, Erdmännchen und Co. geht – thront das Bionicum. Dort, im zweiten Stock, ist es ziemlich eklig. Richtig widerlich. Abartig könnte man sogar sagen. Solche Mythen ranken sich zumindest seit der Eröffnung im Dezember um die neue Ekel-Ausstellung des Nürnberger Zoos. Aber kann diese Ausstellung zwei hartgesottene Volontäre wirklich erschüttern? Here we are now: Disgust us!

Ekel-Ausstellung: Wer ihn hat zuerst gerochen …

Die Ausstellung „Ganz schön eklig!“ ist ganz schön klein. Auf Infotafeln können Besucher allerlei Ekelerregendes über Tiere oder sich selbst nachlesen. Wusstet ihr zum Beispiel, dass manche Menschen unter Trypophobie leiden, der Angst vor Löchern? Wen es schon beim bloßen Wort „Loch“ vor Ekel schüttelt – mein Beileid. Auf Hüfthöhe hängen vier kleine schwarze Kästen, deren Inhalt jeweils Seh-, Hör-, Geruchs- und Tastsinn anwidern soll. Funktioniert beim herzallerliebsten Schmatzen des Igels leider nicht. Und die vermeintlich ekligen Blattläuse waren trotz Lupe kaum erkannbar. Das Kästchen mit der abgebildeten Nase riecht überraschenderweise nur nach Plastik. Vielleicht hätten wir einfach beherzt draufdrücken und nicht nur daran schnuppern sollen, fällt uns im Nachhinein ein. Kommt daher vielleicht der Pupsgeruch? Wir werden es wohl nie erfahren.

Wenn Zoobesucher mit Kot spielen

Auf einem Touchscreen können Besucher Kothäufchen unterschiedlichster Konsistenz und Couleur ihren jeweiligen tierischen Erzeugern zuordnen. So erfährt der ekelresistente Zoogänger beispielsweise, dass Schmutzgeier ihrem Namen gerecht werden, indem sie große Mengen an Fäkalien verzehren. Das gibt eine gesunde Gesichtsfarbe und die Schmutzgeierweibchen stehen drauf.

„Ganz schön eklig“: Gut informiert, aber nicht schockiert

Auf einem anderen Bildschirm zeigen kurze Videosequenzen, wie ein toter Leguan im Zeitraffer zersetzt wird, wie sich Maden etwas Undefinierbares schmecken lassen und dicke schwarze Blutegel an einer bleichen Hand saugen. Nach jedem Video können Besucher bewerten, wie sehr das Video auf ihrer persönlichen Ekelskala eingeschlagen hat. Jutta windet sich vor Ekel, ich fühle mich dagegen gut informiert. Erwartet hatten wir allerdings „echte“ Splatterfilmszenen mit Kunstblutfontänen und madendurchfressenem Hirn. Aber nicht alle Besucher sind Ü18. Und dann wäre da ja noch diese leidige Sache mit dem Copyright.

Frankenfeeling-Fazit: Das bisschen Ekel

In Roman Polanskis „Ekel“ von 1965 lässt die blutjunge Catherine Deneuve einen Hasenbraten im Laufe des Films vor sich hinmodern. Vielleicht hätte der Nürnberger Ekel-Ausstellung so ein hautnah verwesender Braten gut getan. Sollten Besucher extra Eintritt zahlen, nur um die Ausstellung „Ganz schön eklig!“ zu sehen? Ehrlich gesagt nein. Sollten sie die Ausstellung besuchen, wenn sie sowieso schon im Zoo sind? Auf jeden Fall! Schon alleine, um individuelle Ekelgrenzen auszutesten – vielleicht überrascht sich der ein oder andere ja selbst. Wirklich eklig wäre jetzt nur noch die Info, wie viele Keime sich eigentlich auf den Touchscreens der Ausstellung tummeln.

Übrigens: Wer nach der Ekel-Ausstellung seinen Appetit nicht verloren hat, kann in der Nürnberger Käskoung Stub’n oder im Katzentempel vorbeischauen!

KURZGEFASST

Ekel-Ausstellung im Nürnberger Zoo

Wo? Bionicum, Am Tiergarten 30, 90480 Nürnberg

Wann? Montag bis Freitag 9-16.15 Uhr, Samstag und Sonntag 9-16.45 Uhr, Ausstellung noch bis Ende 2019 geöffnet

Wie? semi-eklig, aber sehr informativ

Von |28. Januar 2019|Kategorien: Ausprobiert|Tags: , , , , , , |