Lasertag in Bamberg

– Sport-Hype Lasertag: Wie Fangen spielen, nur im Dunkeln –

Stehen bleiben ist keine Option. Die ersten Schweißtropfen strömen schon nach wenigen Minuten die Stirn hinunter. Die Musik wummert in den Ohren, Nebel wabert durch die Gänge und bunte Lichter zucken unablässig über die zerstörten Häuserfassaden. Ein hysterisches Lachen lauert hinter der nächsten Ecke. Jetzt sind sie ganz nah.

Ein kleiner Tipp für den nächsten Betriebsausflug: Wer seine Kollegen fernab vom Büroalltag in pur ausgelebter und verschwitzter Authentizität erleben will, duelliert sich mit ihnen ganz einfach bei einer Runde Lasertag in Bamberg. Warum das Spiel mit den elektromagnetischen Wellen die beste Art ist, sich nach Feierabend auf sportliche Weise wegzuballern und wie viele Barney Stinson-Anspielungen in einen einzigen Text passen, erfahrt ihr – wartet, es kommt gleich – auf Frankenfeeling.

„Herausforderung angenommen“: Lasertag-Dschungel mitten in Bamberg

Hinter den kleinen vergitterten Fenstern des Bamberger Postgebäudes in der Memmelsdorfer Straße versteckt sich seit ein paar Jahren ein 400 Quadratmeter großes Dschungel-Paradies für Teamplayer, Einzelkämpfer, Verschanzungskünstler und sogar den unsportlichsten aller Volontäre. Ich melde mich freiwillig für letzteren Posten. An meiner Seite Jutta, Christoph und Niklas. In der nächsten Stunde tragen wir Namen wie „Inferno“, „Napalm“ oder „Alias“ – und haben kein Erbarmen für Dunja, Steffi und Jann. Das blaue Team ist übrigens immer viel cooler als das rote.

Doch bevor es in den verschlungenen Pfaden der Lasertag-Arena um „Pew-Pews“ und Trefferquoten geht, führt uns Mitarbeiter Marius Weingarten in die Kunst des „Taggens“ ein. Fünf Leuchtflächen sind an der schwarzen Weste angebracht, die jeder Spieler nach individuellem Bauchumfang verstellen kann: Vier vorne, eine große hinten. Für die beiden im Nebennieren-Bereich gibt es die meisten Punkte. Der Zeigefinger der rechten Hand bleibt immer am Abzug, die linke Hand umfasst den Phaser von vorne. Wer dabei locker lässt, wird mit einem nervtötenden Piepsen bestraft – und gibt dem gegnerischen Team schlimmstenfalls seinen Standort preis. Eine letzte kurze Überlegung, ob mich die Gummisohlen meiner Turnschuhe auf dem Linoleum verraten könnten, wird gleich wieder verworfen – denn bei diesem Bass hört dich niemand quietschen.

„Genieße es, bevor es wieder cool wird“: Die Regeln des Lasertagspiels

Eine Pistole heißt hier Phaser und ein Spiel dauert 20 Minuten. Wer getroffen wird, muss aussetzen, bis der Phaser wieder einsatzbereit ist. In dieser Zeit kann ein Spieler selbst nicht schießen, aber immerhin auch kein weiteres Mal getroffen werden. Das perfekte Timeout, um gedanklich nochmal den Tag Revue passieren zu lassen. Oder um sich auf die Lauer zu legen und Rache an den schießwütigen Kollegen zu nehmen.

Erschwerte Sichtbedingungen bei unserer zweiten Runde in der Dschungelruine: Das bedeutet mehr Nebel und keine farbliche Kennzeichnung der beiden Teams mehr. Friendly Fire ist also durchaus möglich, aber für den Punktestand kontraproduktiv. Zudem müssen wir nun unsere Basis bewachen bzw. die des gegnerischen Teams zerstören. Einfach drauflosballern ist nicht mehr drin. Eine Strategie muss her. Frage an Marius: Wie hätte die denn rein theoretisch aussehen können? „Nicht an der Basis campen und abwechselnd Spieler zum Bewachen und Angreifen einsetzen.“

„Unterschätze niemals einen Zwölfjährigen“: Zu jung für Lasertag

Junggesellenabschiede, Geburtstagsfeiern, Betriebsausflüge – viele der Besucher hier gönnen sich Lasertag zu besonderen Anlässen. Doch es gibt auch die anderen, verrät Marius. Die Stammgäste und Wiederkehrer, die Strategiefanatiker und Punktezähler, die jeden Winkel der Arena auswendig kennen und nach dem Spiel eine Stunde lang ihren Score analysieren. 50 Prozent der Besucher seien mittlerweile Frauen, sagt Marius. „Bis vor ein paar Jahren war das Spiel in Deutschland noch verboten“, erzählt der Arena-Manager, während sich seine Laser-Gladiatoren verschwitzt auf dem großen Sofa in der Lobby fläzen. Als gewaltverherrlichend bezeichnen Kritiker das Spiel. „Aber ganz ehrlich: Das ist doch eher wie Fangen im Dunkeln.“ Oder eben die schmerzfreie Version von Paintball. Und die Klamotten bleiben dabei auch sauber. Auch wenn Lasertag in den USA ein Highlight bei jedem Kindergeburtstag ist, in Bamberg gilt: Wer jünger als 14 ist, muss leider draußen bleiben.

Fazit: „Keiner bleibt hier zurück“ – Lasertag in Bamberg ist ein Muss

Dieser Spieleabend war einfach nur, wie sollte es auch anders sein, legendär. Selbst Sportunterricht-Traumatisierte kommen hier auf ihre Kosten. Zugegeben: Billig ist der Spaß nicht (siehe Infobox „Kurzgefasst“). Dafür gibt es aber Adrenalin und Anspannung nonstop und dazu pure Versteckspiel-Nostalgie, inklusive kreischend vor den Kollegen wegrennen und sich im Kreis um einen Wassertank herumjagen. Warum mein Lasertag-Alter-Ego „Inferno“ immer ganz unten auf der Punkteskala steht, liegt bestimmt nur an einem technischen Defekt meines Phasers – an meinem persönlichen Spaßfaktor sicherlich nicht.

KURZGEFASST

Lasertag Bamberg

Memmelsdorfer Straße 211, 96052 Bamberg
Einzelspiel für 8 €, Gruppenspiel für 70 €, Power Hour für 200 €

Bequeme Kleidung, Sportsachen nicht zwingend

Von |22. November 2018|Kategorien: Ausprobiert|Tags: , , , , , , , |