Heute entführt euch Frankenfeeling. Wohin? In einen Gebirgszug der Rhön: die Schwarzen Berge. Genauer gesagt auf den Feuerberg. Eine Landschaft, so rau und karg, dass sie oft als Deutsches Sibirien bezeichnet wird. Aber erstmal ganz ruhig: Den Pelzmantel und das Survival-Kit könnt ihr bei der Wanderung in den Schwarzen Bergen zuhause bleiben. Sinnvoll wäre stattdessen festes Schuhwerk und wind- und wasserdichte Kleidung.

In die Wildnis

Euer Ausgangspunkt ist das Dörfchen Langenleiten. Klein aber fein, zwei parallele Straßen. Lauft einfach die Hauptstraße entlang nach oben. Verkehr ist hier nämlich auch keiner. Ihr merkt: die Zivilisation verabschiedet sich allmählich. Nicht aufs Smartphone schauen, auch wenn der Ort verschlafen wirkt. Besser ist es, die Skulpturen auf dem Kunstanger zu bewundern. Ansonsten einfach den Blick nach oben richten, um das Ziel anzupeilen: den Feuerberg.

Und warum wollen wir da hoch? Ganz einfach: Auf dem Gipfel befindet sich die Kissinger Hütte, eine urgemütliche Gaststätte mit Bewirtung. Im Endeffekt ist der Weg simpel zu finden – er  ist ausgeschildert. Für die Spürhunde unter euch: Verlängert die Hauptstraße und lauft immer der Nase nach. Für die Orientierungslosen: Hangelt euch von Schild zu Schild. Sich verlaufen geht (noch) nicht. Wenn ihr den Blick durch den Dunst wandern lasst, fallen euch eventuell kleine Hütten am Waldrand auf. Das sind Jagdhütten und Almen. Manche davon haben die Rhöner buchstäblich in Nacht- und Nebelaktionen gebaut.

Das Material, aus dem die Rhön gemacht ist

Aber genug in der Landschaft rumgeschaut: Augen wieder geradeaus. Vor euch öffnet sich ein großer Krater. Sieht zwar wüst aus, aber hat mit Krieg nichts zu tun. Was ihr seht, sind Spuren vom Basaltabbau. Die Rhön ist nämlich steinreich und in den 50er und 60er Jahren war fast jeder Rhöner irgendwie beim Basaltabbau beteiligt. Häufig steht ein Gedenkkreuz neben den Basalthalden. Der Grund: Basaltabbau war gefährlich, Verletzte oder gar Tote waren nicht selten. Vielleicht sticht der schmale Pfad, der sich am Trichter vorbeischlängelt und steil in Richtung Gipfel läuft, ins Auge? Das ist der Kappsteig. Wer hart im Nehmen ist: Go for it. Viel kann nicht schief gehen – es ist alles beschildert. Wer lieber entspannt in Richtung Gipfel flanieren möchte, folgt weiter dem normalen Wanderweg.

Der Wald um euch könnte aus einem Horrorfilm stammen. Wie eine Skeletthand strecken die Bäume ihre Krone in den Himmel. Geister gibt es hier allerdings keine. Wer die sehen will, sollte einen Besuch bei einem Rhöner Schnitzer auf seine To-Do-Liste setzen: Das wohl beliebteste Souvenir (neben Maßkrügen vom Kloster Kreuzberg) sind die geschnitzten Wurzelgeister. Bevor ihr euch in der Rhöner Sagenwelt oder im Nebel verirrt: Folgt dem Weg bis zu einer Gabelung. Einmal links – steht ja auf den Schildern, um gleich wieder rechts abzubiegen.

Blindes Vertrauen

Spätestens jetzt ist es Zeit, mal ein Päuschen einzulegen. Warum? Ja, es wird steil. Ja, es strengt richtig an. Und ja: es lohnt sich. Also ein letztes Mal die Zähne zusammenbeißen und schon ist alles grau. Ab jetzt müsst ihr vor lauter Nebel den Wegewarten des Rhön-Klubs vertrauen. Was immer zu sehen ist, sind die von ihnen gesetzten Holzpfosten am Wegesrand. Orientiert euch an ihnen. Wenn ihr nicht im Kreis gelaufen seid, sollte sich nach etwa zehn Minuten eine Hütte aus dem Nebel schälen. Glückwunsch – geschafft! Die Kissinger Hütte wird von den Geschwistern Dennis und Diana bewirtschaftet und dient als Sprungbrett für eure nächste Etappe zum Würzburger Haus.

Aber erst mal rein in die gute Stube zum Aufwärmen. Versucht den Tisch am Panorama-Fenster zu ergattern. Die Aussicht lohnt sich, sofern der Nebel aufreißt. Heute lädt der Nebel eher dazu ein, seinen Gedanken nachzuhängen. Solltet ihr versacken: kein Problem. Es gibt genug Übernachtungsmöglichkeiten, und das mit der Hüttenruhe um 22 Uhr nehmen weder Dennis noch Diana so genau.

KURZGEFASST

Wandern in den Schwarzen Bergen
Etappe 1: Von Langenleiten zur Kissinger Hütte
Umsonst