Plastikfrei einkaufen – Teil 2: Unverpackt Würzburg

– Über 150.000 Verpackungen hat „Unverpackt Würzburg“ schon gespart –

Es ist Samstag. Etwa eine Stunde vor Ladenschluss. Im „Unverpackt Würzburg“ ist jedoch keineswegs schon Ruhe eingekehrt. Quasi im Minutentakt öffnet und schließt sich die Ladentür. Neue Kunden kommen herein, andere tragen ihre Einkäufe nach draußen. Hinter dem Verkaufstresen steht eine Frau mittleren Alters. Kurze, braune Haare, Brille, altrosa Bluse und graue Schürze. Das ist Susanne Waldmann – die Inhaberin des Würzburger Unverpackt-Ladens.

„Du kommst genau richtig“, sagt sie zu mir (Rebecca). „Heute vor zwei Jahren haben wir eröffnet.“ Um das kleine Jubiläum zu feiern, gibt es für die Kunden an diesem Tag an einem kleinen Tisch vor dem Fenster Kakao und Saft gratis. Der Laden in der Würzburger Sanderstraße ist eine Erfolgsgeschichte. „Unsere Kapazität ist mittlerweile fast erreicht“, sagt Susanne.

Von Mehl über Zahnpasta bis hin zu Trinkhalmen aus Glas

Auf rund 70 Quadratmetern bietet der Laden eine bunte Palette an Lebensmitteln und Hygiene- sowie Reinigungsprodukten. Bei Sachen, die man täglich verbraucht, lasse sich am meisten Verpackung sparen, berichtet Susanne mit Blick auf das Sortiment ihres Ladens. Im „Unverpackt Würzburg“ findet ihr unter anderem: Mehl, Grieß, Bulgur, Couscous, Hülsenfrüchte, Reis, Nudeln, Müsli, Ketchup, Marmelade, Zucker, Honig, Gewürze, Trockenfrüchte, Süßigkeiten, Tee, Kaffee, Milch, Eier, Käse, Obst und Gemüse sowie Getränke. Auch Backwaren stehen im Laden zum Verkauf.

Abseits der Lebensmittel-Abteilung gibt es Duschbutter, feste Zahnpasta, Zahnbürsten, Bio-Haargummis, Brotzeitboxen aus Biokunststoff, Bügelgläser oder zum Beispiel auch Geschirrspülmittel, Fettlöser und Allzweckreiniger. Das Produkt, das mich indes am meisten überrascht beziehungsweise begeistert hat, sind Trinkhalme aus Glas. Das Stück 2,50 Euro. Plastikfrei und – bei pfleglichem Umgang – zigfach wiederverwendbar.

Was muss man mitbringen?

Um im „Unverpackt Würzburg“ einkaufen zu können, solltet ihr am besten Behältnisse von zuhause mitbringen – zum Beispiel Tupperboxen oder Gläser, auch Leinenbeutel oder Papiertüten sind erlaubt. Auf einer Waage im Laden müsst ihr die leeren Behältnisse zunächst wiegen, ehe ihr auf einem Klebe-Etikett das Gewicht notiert. Dann kann’s losgehen.

Auch im Laden selbst habt ihr die Möglichkeit, neue Behältnisse zu kaufen. Im „Unverpackt Würzburg“ gibt es außerdem das sogenannte „Von-Kunde-zu-Kunde“-Regal. Dort können Kunden Gefäße, die sie selbst nicht mehr brauchen, an andere Kunden weitergeben – außerhalb der Gewährleistung des Ladens, aber von der Lebensmittelkontrolle genehmigt. „Es wäre doch schade, wenn die Sachen im Altglas landen“, sagt Susanne. „So befinden sich die Gläser in einem Kreislauf und müssen nicht neu gekauft werden. Das ist auch nachhaltig.“

Jeder kann einkaufen – dank Soli

Ich habe mir im Unverpackt-Laden losen Pfefferminztee gekauft. 100 Gramm kosten 6,20 Euro. Das ist im Vergleich zum (Bio-)Tee in Beuteln aus dem Supermarkt natürlich um einiges teurer. Aber schon der Duft, der mir aus meiner mit Pfefferminztee befüllten Schachtel entgegensteigt, ist die Mehrausgaben Wert. Damit ihr vergleichen könnt, hier noch zwei weitere Produkte: Kartoffeln gibt es für 2,20 Euro das Kilogramm. Eier kosten 43 Cent pro Stück.

Für Leute, die sich einen Einkauf im „Unverpackt Würzburg“ eigentlich nicht oder zumindest nicht regelmäßig leisten könnten, gibt es im Laden ein besonderes System – den sogenannten Solidarischen Einkauf. „Das funktioniert im Prinzip wie ein anonymer Gutschein“, erklärt Susanne. Wer möchte, kann Geld in die Soli-Kasse einzahlen. Leute mit geringem Einkommen haben dann die Möglichkeit, sich an der Verkaufstheke aus einem kleinen Schälchen Holztaler zu nehmen. Mit diesen erhalten sie bis zu 50 Prozent Rabatt auf ihren Einkauf – bezahlt aus der Soli-Kasse.

„Mir war von Anfang an wichtig, dass Menschen mit unterschiedlichen Geldbeuteln im Laden einkaufen können“, erzählt Susanne. „Dadurch bieten wir den Leuten eine echte Teilhabe-Chance und machen die Welt ein bisschen gerechter, weil von oben passiert das ja nicht so recht.“ Der Soli-Einkauf erfolgt auf Vertrauensbasis.

Entstehungsgeschichte und Konzept

„Das Thema Nachhaltigkeit zieht sich durch mein ganzes Leben“, sagt Susanne. Schon die Eltern haben ihr beigebracht, sparsam mit Ressourcen umzugehen. Mit 17 kaufte sie das erste Mal in einem Bioladen ein. Beruflich war Susanne eigentlich lange im Bereich Soziale Arbeit unterwegs. Als sie dann 2016 einen Artikel über einen Unverpackt-Laden gelesen hat, dachte sie sich: „Cool, so will ich in Würzburg einkaufen gehen.“ Susanne lacht, dann sagt sie: „Das war völlig egoistisch, deshalb gibt’s den Laden hier.“

Im „Unverpackt Würzburg“ ist alles Bio – „sonst macht es keinen Sinn“, sagt Susanne und fügt an: „Das ist zwingend notwendig, schließlich tragen wir Verantwortung für unsere Welt.“ Dabei will sie nicht die konventionellen Landwirte an den Pranger stellen, sondern vielmehr die Industrie als Produzent von Pestiziden wie Glyphosat. Außerdem versucht Susanne, ihre Waren so regional wie möglich einzukaufen. Je kürzer der Weg, desto nachhaltiger.

Beim Einkaufen für den Laden lassen sich Plastikverpackungen nicht immer vermeiden, wie Susanne einräumt. „Plastik ist nicht das Problem an sich, sondern vielmehr unser Umgang damit“, sagt sie. Während Einwegverpackungen nicht gut seien, spräche zum Beispiel nichts gegen Pfandeimer aus Plastik, die immer wieder eingesetzt werden können. Hier kommt erneut der Kreislaufgedanke ins Spiel. „Wenn wir Dinge weiterbenutzen und dafür nichts Neues produziert werden muss, sparen wir schon sehr viel.“ In Zahlen sind das 154.238 gesparte Verpackungen seit Bestehen des Ladens.

Fazit

Einkaufen im „Unverpackt Würzburg“ war für mich eine sehr interessante Erfahrung. Im Laden herrscht eine ganz eigene, angenehme Atmosphäre. Was vermutlich zum Großteil an Susanne liegt, die Kunden mit ihrer herzlichen und offenen Art entgegentritt. Das Konzept hinter dem Laden – alles Bio, möglichst regional und soweit machbar ohne Verpackungsmüll – spricht für sich. Klasse ist auch das solidarische Einkaufen, so können im Prinzip alle vom Angebot des Ladens profitieren.

Übrigens: Auch dem Bamberger Unverpackt-Laden haben wir schon einen Besuch abgestattet.

KURZGEFASST

Unverpackt Würzburg

Dort findest du ihn: Sanderstraße 5, 97070 Würzburg

Dann kannst du einkaufen: Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr, Samstag von 10 bis 16 Uhr

Das bekommst du: Eine Vielzahl an Lebensmitteln und Drogerie-Artikeln, außerdem frische Backwaren

Besonderer Bonus: Solidarischer Einkauf

Von |31. März 2019|Kategorien: Ausprobiert|Tags: , , , , , , , |