Plastikfrei einkaufen: Unverpackt Bamberg

– Oder: Wirklich etwas verbessern wollen –

Ein angenehm klingendes Rieseln eröffnet meinen Einkauf, als ich den Spender mit dem Inhalt „rote Linsen“ öffne und ein leeres Schraubglas darunter halte. In Unverpackt-Läden kann man mit mitgebrachten Gefäßen auf diese Weise umweltschonend und ohne Plastikverpackung einkaufen.

Seit knapp eineinhalb Jahren bietet „Unverpackt Bamberg“ in der Stadt in Bahnhofsnähe eine zentral gelegene Alternative zu Rewe, Aldi und den ganzen anderen Supermarktketten. Wer nun aber denkt, dort gäbe es nur klassische Grundnahrungsmittel zu kaufen, der hat sich getäuscht. Tatsächlich ist der Unverpackt-Laden ein wahrer Ort zum Stöbern mit ständig wachsendem Sortiment.

Betritt man den Laden, steht man vor einer mit Korbgeflecht ausgekleideten Theke, die von den Flechtwerkgestalterinnen Alina und Theres selbst hergestellt wurde. Die Schwestern haben den Laden auch gegründet und stehen aus voller Überzeugung hinter dem Konzept „Unverpackt Bamberg“.

Einkaufen leicht gemacht

Ich selbst habe fünf Gläser dabei, zusätzlich noch ein Baumwollsäckchen, denn das hat in der Summe einfach weniger Gewicht. In diese Behälter fülle ich nacheinander die Lebensmittel, die ich für meine WG brauche: Reis, Cashewkerne, Müsli, Hirse und Kidneybohnen. Als sie bis oben hin voll in meinem Korb stehen und der Pflichtteil sozusagen erledigt ist, nehme ich mir die Zeit, teils erfreut, teils auch erstaunt, durch die Regale zu schauen. Denn auch obwohl ich öfter hier bin, ist fast so gut wie jedes Mal etwas Neues dabei. Deocremes, Bambuszahnbüsten, Waschmittel, all das gibt es im Unverpackt-Laden ohne Wegwerfverpackung zu kaufen. Außerdem auch Öle, Süßigkeiten, vegane Kondome und vieles mehr. „Mein eigenes Lieblingsprodukt in unserem Laden sind die Sprossengläser und Kressesiebe“, verrät mir Alina.

Die Non-Food-Produkte stammen alle von einzelnen, kleinen Firmen. Nahrungsmittel beziehen die Schwestern hauptsächlich von einem Großhändler aus Erlangen. Doch worin wird eigentlich Ware geliefert, die ohne Verpackung verkauft werden soll? „Vieles kommt in Pfandeimern, anderes wird in großen Papiersäcken geliefert, wieder anderes in Zellulose“, sagt Alina. Wenige Produkte, wie beispielsweise Nudeln, werden aber trotzdem noch in großen Plastiksäcken geliefert. Der Großhändler selbst habe es sich aber zur Aufgabe gemacht, das System ständig weiter zu verbessern, so Alina.

Mut zum Risiko

Das vollkommen perfekte Handeln gibt es nicht. Es habe auch schon Situationen gegeben, wo sich die Schwestern  dafür rechtfertigen mussten. „Beispielsweise wurde ich schon dafür kritisiert, warum ich Kehrblech und Schaufel aus Plastik verwende“, erzählt Alina. Sie selbst als Inhaberin sieht das Einkaufsverhalten eines jeden aber nicht vollkommen schwarz oder weiß. Alles immer richtig machen könne man nicht. Aber jeder kann das tun, womit er sich gut fühlt.

„Man muss schon ein Risiko eingehen und Mut haben“, sagt Alina über die Gründung von „Unverpackt Bamberg“.  Vieles sei ihr und ihrer Schwester aber, vielleicht gerade auch durch den Mut und die nötige Gelassenheit, in den passenden Momenten zugeflogen. „Ich bin jemand, der eher etwas macht und es dann anders macht, wenn es nicht klappt“, sagt sie über sich selbst.

Unverpackt einkaufen – lohnt sich das denn?

Ja! Und am besten regelmäßig! Es ist durchaus ein besonderes Gefühl, Lebensmittel mit einer Portion Bewusstheit mehr einzukaufen als sonst. Da verlässt man den Laden auch schon mal stolz wie Oskar. Dabei sollte ein umweltschonender Konsum eigentlich die Regel sein, finde ich. Der Unverpackt-Laden in Bamberg macht einem dieses Vorhaben auf jeden Fall einfacher.

Das Sortiment ist sehr umfangreich und auch spannend. Ich bekomme dort nicht nur alle Grundnahrungsmittel, sondern sogar ausgefallene Variationen wie Chili-Nudeln. Obst, Gemüse, Käse und Joghurt in Pfandgläsern kann ich ebenso aus dem Unverpackt-Laden mitnehmen. Sogar Klopapier ist inzwischen Teil des Sortiments.

Ein besonderer Bonus ist außerdem ein kleiner Café-Bereich mit im Laden. So kann man nach dem Einkauf auch noch in aller Ruhe einen Kaffee trinken oder eine Kleinigkeit essen, die jeden Tag frisch zubereitet wird. Denn die Betreiberinnen von „Unverpackt Bamberg“ geben sich alle Mühe, gegen den Plastikmüll anzukämpfen und für andere in Bamberg einen Raum zu schaffen, um selbst dabei mitzumachen. Ein Einkauf hier zahlt sich auf jeden Fall aus.

KURZGEFASST

Unverpackt Bamberg

Dort findest du ihn: Luitpoldstraße 36, 96052 Bamberg

Dann kannst du einkaufen: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 16 Uhr

Das bekommst du: Eine Vielzahl an Nahrungsmitteln wie Nudeln, Müsli, Öle. Aber auch Haushaltsprodukte, Käse und frisches Gemüse

Besonderer Bonus: Für das kleine Cafe im Laden kochen und backen die Inhaberinnen täglich frisch

Mehr Informationen gibt es unter http://www.unverpackt-bamberg.de