Schneeschuhwandern im Fichtelgebirge

– Die letzte Chance auf fränkischen Schnee –

Als ich zum siebten Mal im Tiefschnee einsinke und wieder etwas Nasses in meinen Stiefel rutscht, sinkt auch meine Laune. Dabei sind wir erst eine halbe Stunde im Fichtelgebirge unterwegs. „Wie viele Kalorien verbrennt man eigentlich beim Schneeschuhwandern?“, frage ich Markus Prechtl hoffnungsvoll. „Dazu müsste ich jetzt deinen Puls fühlen. Wenn du zu hohen Puls hast, weil du dich zu arg reinsteigerst, dann blockierst du die Fettverbrennung“, sagt der Wanderführer. Toll, dann lohnt sich die Anstrengung für mich nicht mal? Doch: „Aber insgesamt ist Schneeschuhwandern ein sehr geeigneter Sport, um sich auszupowern“, fügt Prechtl hinzu.

Die richtigen Schuhe zum Schneewandern

Und abgesehen davon lohnt es sich tatsächlich: Die Sonne lässt den Schnee im Wald märchenhaft glitzern und die Anstrengung ist es beim Blick auf das Tal hinunter sowas von wert. Doch bevor wir die Zeit für Selfies und das Genießen der Winter-Wunderlandschaft bekommen, stehen wir am vereinbarten Treffpunkt. Manche im T-Shirt (Bei 7 Grad!), manche mit dicken Strümpfen und eingepackt bis zur Stirn. Markus Prechtl zieht einem nach dem anderen die Schneeschuhe an. Die muss man sich vorstellen wie kurze Skier, die an den eigenen Schuh geschnallt werden. Sie verteilen das Gewicht auf eine größere Fläche, sodass man weniger im Schnee einsinkt (Denkste!). Danach stiefeln wir los. Die Sonne knallt auf unsere Köpfe und nach wenigen Augenblicken ziehe ich schon meine Handschuhe aus, so warm wird es auf einmal. Plötzlich sagt Prechtl: „Ich habe euch gar nicht gesagt, wie es funktioniert, aber so wie ich das sehe, macht es keiner falsch. Einfach nach vorne schauen und einen Fuß vor den anderen setzen.“ Und es macht tatsächlich Spaß, solange wir auf den festgetretenen Wegen wandern.

Starker Teamgeist und miese Witze

Erst als es in den Wald geht, und der Schnee unberührt vor uns liegt, wird mir ein wenig mulmig zumute. Und schon knalle ich mit einem Fuß in ein Schneeloch. Na toll. Es soll nicht das letzte Mal bleiben. Ein wenig schäme ich mich, dass ich die Gruppe immer wieder aufhalte, aber alle versichern mir, dass es nicht so schlimm ist. Wir sind schließlich ein Team und bestimmen selbst die Geschwindigkeit. Sagt auch unser Wanderführer, der übrigens versucht, die Stimmung mit Witzen aufzuheitern. „Warum pinkeln Frauen eine Acht in den Schnee? Weil sie sich ständig umschauen müssen, ob jemand kommt.“ Die meisten davon sind genauso schlecht wie dieser, aber auch das macht nichts. Neben den Witzen erklärt Prechtl uns nämlich auch etwas zur Umgebung, zur Monokultur im Fichtenwald und wie hoch der Ochsenkopf ist (1024 Meter).

Stößchen in 800 Metern Höhe

Bis auf 800 Höhenmeter wandern wir durch eng stehende Bäume, vorbei an kleinen Felsen und einem Steinbruch, dann gibt es eine Trinkpause mit Glühwein und Tee, den Prechtl mitgebracht hat. Auch einen Waldbeerenlikör aus Wunsiedel zaubert er aus seinem Rucksack, was gerade bei einem der männlichen Teilnehmer unserer Gruppe gut ankommt. Überhaupt sind alle zufrieden mit der Wanderung. Auch ich, denn nach dem Glühwein geht es bergab, wieder auf festere Wege. Und diese Aussicht ist einfach ein Traum. Überall Berge mit Zuckerhüten. Dazu die mittlerweile tiefstehende Sonne und auf der anderen Seite der leicht durchscheinende Mond. Hat was, dieses Schneeschuhwandern. Mit oder ohne Einsinken im Tiefschnee.

KURZGEFASST

Schneeschuhwandern in Franken

Wo? Neubau, 95686 Fichtelberg

Wann? Touren ab März wieder auf der Homepage von Markus Prechtl einsehbar

Von |25. Februar 2019|Kategorien: Ausprobiert|Tags: , , , , , |