Uni-Sport Quidditch im Test: Eine Trainingsstunde bei den Bamberger Kelpies

– Auf die Besen, fertig, los: Harry Potter auf dem realen Spielfeld –

An einem kühlen Montagabend sind wir auf Besen geflogen wie Harry Potter. Allerdings nur mit der Nase voran in den feuchten Rasen. Denn Quidditch ist verdammt hart, das wird bereits in der ersten Spielminute klar. Die Kelpies sind eine Gruppe Bamberger Studenten, die den Kultsport aus den Harry Potter-Romanen aufs reale Spielfeld transportieren. Aber wie funktioniert das bei einem Fantasy-Roman, in dem fliegende Besen über den Rasen sausen und einem verzauberte Bälle hinterherjagen? Steffi und ich (Teresa) haben an einer Trainingsstunde der Kelpies teilgenommen – und wissen jetzt, welche intimen Körperstellen ihr ganz besonders vor blauen Flecken schützen solltet.

Aus dem Dunkeln des Waldes kommen sie auf das Spielfeld zumarschiert. Nur die wehenden Umhänge fehlen. Jeden Montagabend trainieren die 12 Mitglieder der Kelpies im Bamberger Volkspark, Jungs und Mädels gemischt. Schon beim Aufwärmen wird klar: Wer sich beim Werfen und Fangen doof anstellt, wird sich auch beim Quidditch schwer tun. Doch erst nach dem Warmwerfen dürfen wir uns auf die Besen schwingen. Anstelle von Feuerblitz und Nimbus 2000 sind das in der realen Welt blaue Plastikstäbe, die permanent mit einer Hand zwischen den Beinen festgehalten werden. Die Ballannahme funktioniert also nur noch mit einer Hand. Am Spielfeldrand liegen etliche Ersatzbesen, denn die Stäbe gehen im Gerangel auch mal zu Bruch, wie einer unserer Teamkollegen im Laufe des Spiels schmerzhaft erfahren muss.

Die Regeln des Quidditch-Spiels

Quidditch verlangt nicht nur vollen Körpereinsatz, sondern auch Köpfchen. Die Teams stehen bzw. hocken sich zu Beginn eines Spiels gegenüber, den Besen griffbereit neben sich. Dann geht es im Kurzsprint auf den Quaffel (Volleyball) und die drei Klatscher (Dodgebälle) zu, die in der Spielfeldmitte warten. Die Treiber dürfen mit den Klatschern gegnerische Spieler abwerfen. Da kommt Völkerball-Nostalgie auf! Wer getroffen wurde, muss Quaffel und Besen fallen lassen, zu einem der drei Tore bzw. Ringe rennen und abklatschen, sich sozusagen freilaufen. Die Jäger versuchen unterdessen, den Quaffel am Hüter (Torwart) vorbei und durch die Ringe zu werfen.

Ab der 18. Spielminute betreten Harry und Draco das Spielfeld. Oder besser gesagt: Die beiden Spieler, die zu Suchern auserkoren wurden. Und weil die Kelpies gastfreundlich sind, gebührt Steffi und mir die Ehre, den Schnatz zu fangen. Aber natürlich saust dabei kein süßer goldener Ball mit Flügeln über die Festwiese. Den Part des Schnatzes übernimmt in der Regel ein Spieler, der besonders flink und gelenkig ist. Und keine Angst davor hat, begrapscht zu werden. Denn wir müssen unserem Teamkollegen ordentlich an den Hintern greifen, wo der Schnatz eine Socke samt Tennisball trägt. Wer sie zu Fassen bekommt, hat das Spiel gewonnen.

Bei seinen Abwehrversuchen darf der Schnatz ganz schön frech werden, uns sogar die Besen aus der Hand reißen. Die sind es übrigens auch, die uns am nächsten Tag schmerzende blaue Flecken an den Oberschenkeln bereiten. Der Profi-Tipp dagegen: „Ganz viel Spielen! Das ist wie Schuhe einlaufen!“ Wenn der Stab bei einem Sturz aber unter dem eigenen Hintern zerbricht, verziehen selbst erfahrene Spieler das Gesicht.

Bei vier Bällen auf dem Spielfeld kann es für Hogwarts-Neulinge ziemlich chaotisch werden. Wie soll da jemand durchblicken, der nie in seinem Leben einen Harry Potter-Band in der Hand hatte? „Wir beschreiben Quidditch als gemischtgeschlichen Kontaktsport, der eine Mischung aus Rugby, Handball und Völkerball ist“, erklärt Kira, die im roten Gryffindor-Pulli Häuser-Farbe bekennt. Sie ist Team-Kapitänin, sozusagen der Oliver Wood der Kelpies. Magisches Insiderwissen sei für den Sport allerdings nicht notwendig. „Nur Harry Potter zu mögen, reicht meist nicht aus“, sagt Kira. „Die wichtigen Voraussetzungen sind Lust auf Bewegung und sich nicht zu schade zu sein, auf einen Besen zu steigen.“ Benannt hat sich ihr Team übrigens nach schottischen Wassergeistern. „Im Quidditch ist es üblich, sich ein Fabelwesen als Teammaskottchen zu suchen“, erklärt die Kapitänin. „Wir haben uns von der Regnitz und unserem ehemaligen Trainingsplatz auf der Erba-Insel inspirieren lassen.“

Quidditch-Europameisterschaft 2019 in Bamberg

Vom 27. bis 30. Juni findet die Quidditch-Europameisterschaft statt – und das ausgerechnet in Bamberg! Die Kelpies sind dabei eher organisatorisch vertreten, da niemand aus dem Team in der Nationalmannschaft spiele, erklärt Kira. Wer es bis dahin nicht mehr erwarten kann, das Quidditch-Team und die zauberhafte Sportart kennenzulernen, kann im Sommersemester mittwochs ab 18.30 Uhr auf dem Unisportgelände im Bamberger Volkspark für ein Schnuppertraining vorbeischauen. Eine Voranmeldung ist nicht nötig, ein Häuser-Test auch nicht. Dafür aber Ausdauer und Aufgeschlossenheit für eine ganz besondere Sportart. „Viele denken, wir cosplayen und springen mit Capes und Besen auf dem Feld herum um Harry Potter nachzuspielen“, beschreibt Kira die häufigsten Vorurteile. „Das meiste Feedback nach dem ersten Training ist, wie überrascht die Leute sind, dass es härter ist, als gedacht. Wer lacht, ohne es auszuprobieren, muss nicht ernstgenommen werden. Wer es ausprobiert und immer noch lacht, dem sei es gegönnt!“

KURZGEFASST

Quidditch bei den Bamberger Kelpies

Was? Quidditch als Hochschulsport, kostenloses Schnuppertraining

Wann? im Sommersemester ab dem 24.4. von 18.30 bis 20 Uhr

Wo? auf dem Unisport-Gelände/Fußballplatz im Volkspark (Armeestraße)

Was sonst noch? keine Voranmeldung nötig, mehr Infos auf der Facebook-Seite der Kelpies

Von |14. April 2019|Kategorien: Ausprobiert|Tags: , , , , , |