Unterwegs mit dem Bamberger Nachtwächter

– Des Nächtens durch Bamberg schleichen –

Christine Conrad steht vor einer kleinen Gruppe von etwa 15 Menschen. Sie trägt einen schwarzen Dreispitz auf dem Kopf, dazu einen langen schwarzen Mantel. In ihrer linken Hand hält sie eine Laterne, in der eine Kerze stumm vor sich hin flackert. In ihrer Rechten trägt sie eine Waffe, die aussieht wie eine Mischung aus Lanze und Beil – eine sogenannte Hellebarde, die heute zum Beispiel noch von der Schweizergarde geführt wird.

Conrad hat gerade eine Strophe des Nachtwächterlieds angestimmt. Sie ist an diesem Abend als Bamberger Nachtwächter unterwegs und nimmt ihre Gefolgschaft mit auf Zeitreise – in ein düsteres Bamberg, lange vor unserer Zeit. „Zappenfinster“ sei es damals um diese Uhrzeit in der Stadt gewesen und nur „lichtscheues Gesindel“ noch auf den Straßen unterwegs. „Wer des Nächtens durch Bamberg schleicht ohne Laterne macht sich gleich schon verdächtig“, fügt sie an und wirft einen kritischen Blick auf ihre Zuhörer. Früher habe man einen Passierschein benötigt, um nachts durch die Stadt gehen zu dürfen, erzählt sie.

Ausrangierte Soldaten

Die Nachtwächter waren eine Art Vorgänger der Polizei, wie Conrad erklärt. Zuständig für „Diebe und Brände“. Brach ein solcher in der Stadt aus, läutete der Türmer die Feuerglocke und signalisierte mit einer Flagge, in welchem Quartier es brannte. Die Nachtwächter gaben diese Information dann mit einem Stoß in ihr Horn an die anderen weiter. Jeder Bürger musste zu Hause zwei mit Wasser gefüllte Eimer bereitstehen haben.

Trotz ihrer verantwortungsvollen Aufgabe zählten die Nachtwächter zu den unteren Schichten der Gesellschaft. „Kein einziger von euch hätte sich zu uns an den Tisch gesetzt“, sagt Conrad. Die Nachtwächterei wurde als unehrenhafte Tätigkeit angesehen, die sonst keiner ausüben wollte. Oft übernahmen in Friedenszeiten ausrangierte Soldaten den Beruf des Nachtwächters, um sich so im Alter zu versorgen.

Wie Conrad erklärt, wurde 1789 in der Bamberger Nachtwächterordnung festgelegt, dass die Nachtwächter auf ihrem Rundgang durch die Stadt in regelmäßigen Abständen singen müssen. „Zur Kontrolle des Nachtwächters“ – um sicherzustellen, dass dieser nicht betrunken sei oder schlafe. „Es steht aber in keiner Nachtwächterordnung, dass wir auch schön singen müssen“, fügt sie mit einem verschmitzten Grinsen an.

Auf die „sündige Meile“

So führt Conrad als Bamberger Nachtwächter ihr Gefolge durch die Altstadt rund um den Domberg. Sie erzählt interessante historische Details über die Nachtwächterei und Bamberg – „das fränkische Rom“, dabei vergisst sie aber auch die heutige Zeit nicht und streut zwischendurch kleine Spitzen und Witze ein. „Euer Auswärtiges Amt hätte für das Bamberg, durch das ich wandelte, glatt eine Reisewarnung ausgesprochen“, sagt sie etwa mit Blick auf die stockfinsteren Nächte ohne moderne Straßenbeleuchtung.

Zum Abschluss bringt der Nachtwächter seine Zuhörer dann auf die „sündige Meile“. In die Bamberger Sandstraße. Während sonst an diesem Samstagabend nur noch vereinzelt Leute im nächtlichen Bamberg unterwegs sind, herrscht dort ausgelassene Party-Stimmung. Die kleinen Kneipen und Bars platzen aus allen Nähten.

Für Neu-Bamberger und Einheimische

Seit „12, 13 Jahren“ führt Conrad als Nachtwächter Gruppen durch Bamberg, wie sie Theresa und mir (Rebecca) im Anschluss an die Führung erzählt. Neun Nachtwächter gibt es in Bamberg. Eine Tour mit ihnen, finden wir, lohnt sich auf jeden Fall – sowohl für zugezogene Neu-Bamberger als auch für Einheimische. Man erfährt auf dem rund 1 ¼-stündigen Rundgang viel Wissenswertes über das Leben im Bamberg des 18. Jahrhunderts und wird gleichzeitig mit Witz und fränkischem Humor gut unterhalten.

Übrigens: In Bamberg gibt es auch leckere Burger. Wir haben für euch schon das Burgerheart und den Zapfhahn getestet. Die Kalorien wieder purzeln lassen könnt ihr in Bamberg unter anderem beim Quidditch oder beim Fechten.

KURZGEFASST

Führungen mit dem Bamberger Nachtwächter finden von Mitte März bis Ende Oktober immer mittwochs, donnerstags, freitags und samstags um 21 Uhr statt.

Im September und Oktober gibt es an Freitagen und Samstagen jeweils eine zusätzliche Führung um 19 Uhr.

Von Anfang November bis zum 6. Januar führen die Nachtwächter von Mittwoch bis Samstag ab 19 Uhr Gruppen durch die Stadt.

Die Nachtwächter-Tour kostet für Erwachsene zehn Euro.